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26. Mär 2026

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Wirtschaft

„Wir brauchen klare Marktkorrekturen“ – mit Harald Friedl, Experte für Kreislaufwirtschaft, Keynote Speaker & Sozialunternehmer

Journalist: Armin Fuhrer

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Foto: Curated Lifestyle/unsplash+, Presse

Zirkuläre Geschäftsmodelle wie Reparaturen können wirtschaftlich mit klassischen Verkaufsmodellen mithalten – wenn sie gezielt gefördert werden.

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Harald Friedl, Experte für Kreislaufwirtschaft, Keynote Speaker & Sozialunternehmer

Kreislaufwirtschaft und ein wachstumsbasiertes System sind keine Gegensätze, sondern eine Frage, von welchem Wachstum die Rede ist. Global hat sich der Rohstoffverbrauch seit 1970 vervierfacht, heute liegt er bei über 100 Milliarden Tonnen pro Jahr – und die Tendenz ist steigend. Gleichzeitig zeigt die EU Erfahrung, dass zirkuläre Strategien Jobs und Wertschöpfung schaffen können. In Europa arbeiten bereits rund 4,3 Millionen Menschen in zirkulären Aktivitäten, Tendenz auch hier klar steigend. Kreislaufwirtschaft sei mit Wachstum vereinbar, solange dieses Wachstum auf Wissensarbeit, Dienstleistung, Nutzung statt Besitz und hochwertiger Wiederverwendung basiert, sagt Harald Friedl, einer der global führenden Experten für Kreislaufwirtschaft. Und er ergänzt: „Wir müssen weg von immer mehr Primärmaterial und Wegwerfprodukten.“

Zirkuläre Geschäftsmodelle wie Reparatur und Langlebigkeit könnten wirtschaftlich mit klassischen Verkaufsmodellen mithalten, ist sich Friedl sicher. „Die Zahlen kippen zunehmend zugunsten der Zirkularität. Studien für Deutschland zeigen, dass eine ambitionierte Kreislaufstrategie die Bruttowertschöpfung um rund 12 Milliarden Euro pro Jahr erhöhen und bis zu 180.000 zusätzliche Arbeitsplätze schaffen kann.“ Auf EU Ebene rechnen Analysen mit bis zu 0,5 Prozent zusätzlichem BIP und bis zu drei Millionen neuen Jobs durch Kreislaufpolitik.

Wir müssen weg von immer mehr Primärmaterial und Wegwerfprodukten.

Eine Entkopplung von Wachstum und Ressourcenverbrauch hat bislang, historisch betrachtet, nur relativ funktioniert. In einigen Industrieländern wächst das BIP schneller als der direkte Rohstoffverbrauch, aber global ist der Materialfußabdruck weiter explodiert. Das Problem: „Effizienzgewinne führen oft zu billigeren Leistungen und damit über den Rebound Effekt zu mehr Gesamtkonsum. Wenn wir Klimaziele und Planetary Boundaries ernst nehmen, reicht ‚grünes Wachstum’ allein nicht aus. Wir brauchen neben Effizienz auch Suffizienz: weniger Verschwendung, andere Geschäftsmodelle, andere Wohlstandsindikatoren“, so Friedl.

Dabei werde stark unterschätzt, wie stark unsere Kultur durch Strukturen geprägt wird. Carsharing, Mietmodelle oder Repair Services setzten sich dort durch, wo sie bequem, verlässlich und finanziell attraktiv sind und speziell auch dort, wo die Infrastruktur stimmt. Der kulturelle Sprung gelinge, wenn drei Dinge zusammenkommen: kluge Anreize, zum Beispiel durch geringere Mehrwertsteuer auf Reparaturen, sichtbare Vorbilder im Alltag und digitale skalierbare Lösungen. Dann könne, so Friedl, „Nutzen statt Besitzen so einfach werden wie ein Klick im Onlineshop.“

Dennoch brauche es auch tiefere Eingriffe in die Marktwirtschaft. Innovationen und „bewusster Konsum“ seien wichtig, aber sie stoßen an harte Grenzen, solange das Preissignal falsch ist. Friedl: „Wenn wir ernsthaft kreislauffähig werden wollen, brauchen wir klare Korrekturen am Markt: CO₂ und Ressourcenpreise, ein Verbot besonders destruktiver Produkte, produktbezogene Mindeststandards für Langlebigkeit und Reparierbarkeit, aber auch eine andere Steuerlogik.“

Wenn wir Klimaziele und Planetary Boundaries ernst nehmen, reicht ‚grünes Wachstum’ allein nicht aus.

Factbox:

Harald Friedl ist österreichischer Keynote Speaker, Sozialunternehmer und einer der international profiliertesten Strategen für Circular Economy. Er lebt in Amsterdam und begleitet Unternehmen und Organisationen dabei, lineare Geschäftsmodelle in zirkuläre und regenerative Wertschöpfung zu übersetzen: pragmatisch, wirtschaftlich und wirksam. Kraft und Klarheit findet er im direkten Naturkontakt: beim Skitourengehen im Winter sowie beim Wandern und Bergsteigen im Sommer. www.haraldfriedl.earth

2. Apr 2026

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Business

Kein Roboter zum Gelddrucken, aber ein starker Wächter: KI bei Banken

Künstliche Intelligenz kann im Bankwesen schon ziemlich viel – aber eigenständig Geld drucken oder wundersam vermehren, das kann sie (noch) nicht. Banken setzen KI heute flächendeckend in mehreren Bereichen ein, allen voran in der Betrugsprävention, wo Fraud Detection mittlerweile Branchenstandard ist. KI-gestützte Systeme analysieren Transaktionen von Kundinnen und Kunden in Echtzeit, erkennen und stoppen auffällige Transaktionen und Zahlungsanweisungen in der Regel sofort, und reagieren innerhalb von Sekunden auf neue Angriffsszenarien. Gerade, weil sich Betrugsmaschen ständig weiterentwickeln, ist die Adaptionsgeschwindigkeit in diesem Bereich besonders hoch. Solche Systeme werden in Zukunft weiter optimiert werden, wodurch Banken Routineaufgaben mehr und mehr automatisieren können. Das eröffnet neue Möglichkeiten für personalisierte Kundenberatung, schnellere Analysen – etwa bei Kreditentscheidungen – und insgesamt bessere Kundenerlebnisse. Banken nutzen KI auch immer öfter, um internes Wissen für ihre Mitarbeitenden zu strukturieren, aufzubereiten und schneller zugänglich zu machen. Ziel ist es, Informationen effizienter zu nutzen und Entscheidungsprozesse zu beschleunigen. Im Vergleich zur Betrugsprävention befindet sich dieser Bereich jedoch noch in einer stärkeren Wachstumsphase, auch wenn die Entwicklung hier aktuell sehr dynamisch verläuft. >Der Mensch muss weiterhin die Kontrolle über kritische Prozesse behalten und klare Grenzen setzen. Es gibt unzählige Anbieter von bankenspezifischer KI. Viele davon decken nur bestimmte Anwendungsfelder ab, weshalb Banken häufig mehrere KI-Systeme parallel einsetzen. Auch, wenn Banken langjährige Erfahrung im Umgang mit sensiblen Daten haben, kann die Auswahl passender KI-Tools herausfordernd sein, denn die Lösungen müssen regelkonform sein, Change Compliance- und Datenschutzrichtlinien beachten, außerdem sollten die Daten innerhalb Europas bleiben und nicht unkontrolliert in andere Rechtsräume fließen. Erhöht KI im Bankwesen nun die Sicherheit – oder eher das Risiko für Betrug und Verlust? Grundsätzlich beides. Denn einerseits verbessert KI die Fähigkeit, Betrug frühzeitig zu erkennen und zu verhindern, andererseits entstehen neue Gefahren, insbesondere durch autonome KI-Agenten. Je mehr Entscheidungsfreiheit diese Systeme erhalten, desto größer ist das Risiko, dass sie Sicherheitsvorgaben umgehen oder manipuliert werden. Deshalb gewinnt das Prinzip „Human in the Loop“ beziehungsweise „Human in the Lead“ an Bedeutung: Der Mensch muss weiterhin die Kontrolle über kritische Prozesse behalten und klare Grenzen setzen. Auch im Finanzmarkt insgesamt sind automatisierte Prozesse kein neues Phänomen. Mechanismen wie algorithmischer Handel oder Stop-Loss-Orders können bereits heute Kettenreaktionen auslösen. KI könnte solche Effekte künftig verstärken, stellt aber nicht die ursprüngliche Ursache dar. Wohin wird sich KI im Bankwesen entwickeln? Eigenständig Geld drucken wird sie hoffentlich niemals – doch sie wird als umfassendes System im Hintergrund immer besser in den Bankenalltag integriert werden. Der Mensch wird im Bankwesen jedoch in zentralen Bereichen immer die Oberhand behalten, besonders bei der letzten Kontrolle und beim direkten Kundenkontakt – denn hier können aufmerksame Bankangestellte besser als jede KI als Sicherheitsschranke wirken, die ihre betagten Kundinnen davor schützen, auffällige Transaktionen hoher Summen vorzunehmen. >Banken nutzen KI auch immer öfter, um internes Wissen für ihre Mitarbeitenden zu strukturieren, aufzubereiten und schneller zugänglich zu machen.