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21. Okt 2025

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Gesundheit

Zukunft ist jetzt – Im Interview mit Melanie Wendling, Geschäftsführerin des Bundesverbandes Gesundheits-IT, bvitg e. V.

Journalist: Julia Butz

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Foto: bvitg e. V.

„Unsere digitale Patient Journey ist noch eher ein Bummelzug“, sagt Melanie Wendling, Geschäftsführerin des Bundesverbandes Gesundheits-IT, bvitg e. V.

Frau Wendling, als wir im letzten Jahr zum Thema Digitalisierung des Gesundheitswesens sprachen, sagten Sie: „Ich bin zuversichtlich, dass wir ein vernetztes Gesundheitswesen mit Teamwork aller Beteiligten hinbekommen. Der Anfang ist gemacht.“ Wo stehen wir heute? Wir sind noch immer am Beginn eines langen Weges, aber meine Zuversicht ist ungebrochen. Wir sind in Deutschland nun an einem Punkt, wo wir sagen können: Die Zukunft ist jetzt. Ähnlich wie in den nordischen Ländern, die diesen Weg schon länger gehen. Denn das deutsche Gesundheitssystem war, was die Digitalisierung angeht, zu Beginn vor allem auf die Abrechnung der Leistungen ausgerichtet. Jetzt rücken digitale Lösungen die Qualitätsverbesserung in der Patientenversorgung in den Fokus.

Wo wird die Unterstützung des Behandlungsprozesses durch digitale Technologien als erstes spürbar? Die ersten Vorteile einer digitalen Patient Journey werden vor allem die Ärzte spüren, beispielsweise durch die elektronische Medikationsliste, mit der sie auf einen Blick erkennen können, welche verschreibungspflichtigen Arzneimittel der Patient einnimmt. Für die Versicherten selbst wird der Nutzen mit der Zeit wachsen, je länger die Patientenakte mit Informationen zu Diagnosen und Medikation gefüllt wird. Ich bin überzeugt, dass wir in fünf Jahren spürbare Fortschritte und eine deutlich höhere Wirksamkeit sehen werden. Aber es stände uns gut zu Gesicht, die Prävention noch besser und stärker in die Digitalisierungsstrategie einzubinden. Soweit sind wir aber noch nicht; auch wenn ich glaube, dass die Politik dies schon im Blick hat.

Was sind aus Ihrer Sicht aktuell die größten Herausforderungen bei der Umsetzung der digitalen Patientenreise? Das deutsche Gesundheitssystem ist ein sehr schwerfälliges. Entscheidungen dauern oft lange, bis sie beim Patienten ankommen. Im Moment fühlt sich unsere Patient Journey eher wie ein Bummelzug an, aber der kommt auch irgendwann ans Ziel, da bin ich mir sicher. Wichtig ist: Wir müssen mehr Agilität und Schnelligkeit reinbringen, ohne dabei Sorgfalt und Sicherheit zu vernachlässigen. Denn wir wollen ein sicheres, gut reguliertes System und gleichzeitig verhindern, dass wir von Anwendungen aus anderen Ländern überholt werden, bei denen wir nicht mehr kontrollieren können, was mit unseren Daten passiert. Es gilt abzuwägen, wie schnell wir handeln und gleichzeitig Sicherheit gewährleisten können. Ein Balanceakt, um den ich die Politik nicht beneide.

Wir alle, die Mitarbeitenden in den medizinischen Gesundheitsberufen als auch die Patienten, müssen den Umgang mit digitalen Technologien erlernen und uns auf neue Abläufe einstellen.

Welche kulturellen Herausforderungen sehen Sie? Wir alle, die Mitarbeitenden in den medizinischen Gesundheitsberufen als auch die Patienten, müssen den Umgang mit digitalen Technologien erlernen und uns auf neue Abläufe einstellen. Digitalisierung bedeutet ja nicht nur die Elektrifizierung oder Automatisierung bestehender Verfahren, sondern erfordert eine ganzheitliche Neugestaltung der Versorgungsstrukturen. Dies setzt eine Veränderungsbereitschaft auf individueller Ebene voraus. Wobei Krankenhäuser vor besonderen Herausforderungen stehen, da sie als komplexe, groß organisierte Systeme vielfältige Neuerungen implementieren müssen. Natürlich kostet es zunächst viel Zeit, sich in neue Systeme einzuarbeiten, doch der Nutzen ist groß: Der Mehraufwand, beispielsweise beim Aufbau der elektronischen Patientenakte (ePA), gleicht sich aus, wenn sie umfassend gefüllt ist. Wenn dann Künstliche Intelligenz noch die wichtigsten Dokumente scannt und Ärzten Zusammenfassungen liefert, gewinnen sie noch mehr Zeit für die Patienten.

Welche Fortschritte erwarten Sie für die nächsten Jahre? Ich denke, dass wir sukzessive, in jedem Jahr, einen weiteren Vorteil in der ePA sehen werden. Bis wir jedoch eine umfassende Nutzung als ganzheitliches System erreichen, braucht es noch Zeit. Wichtig ist, die Anwender einzubeziehen, um die Systeme praxisnah zu gestalten und unnötige Komplexität zu vermeiden – und natürlich den Dialog mit der Industrie fortzusetzen. Wir als Verband wollen den Wandel aktiv mitgestalten, benötigen dazu auf der anderen Seite Gesprächspartner, die zuhören, mitdiskutieren und anerkennen, dass auch die Industrie wertvolle Beiträge leistet. Ich kann nur an alle appellieren: Besuchen Sie die DMEA 2026 und verschaffen Sie sich vor Ort einen Eindruck von den vielfältigen Möglichkeiten und Innovationen im Bereich Digital Health.

Wir müssen mehr Agilität und Schnelligkeit reinbringen, ohne dabei Sorgfalt und Sicherheit zu vernachlässigen.

Factbox

Als „Nachrichtenjunkie“ nutzt Melanie Wendling die tägliche Morgenrunde mit ihrem Hund, um sich entspannt mit Podcasts und aktuellen Informationen auf den neuesten Stand zu bringen. Sie liest leidenschaftlich gern. Liebstes Ziel: ein Buch an einem Wochenende komplett verschlingen. **Über bvitg: ** Der bvitg e. V. vertritt in Deutschland führende IT-Anbieter im Gesundheitswesen und fördert seit über 30 Jahren die Digitalisierung zur nachhaltigen Verbesserung der Patientenversorgung.

25. Jun 2026

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Gesundheit

Mit Datennutzung und Innovationen zur Smarten Gesundheitsversorgung –Ein Beitrag von Dr. Marc-Pierre Möll, Geschäftsführer und Vorstandsmitglied BVMed – Bundesverband Medizintechnologie

Denn moderne Medizintechnik liefert genau das, was eine smarte Gesundheitsversorgung braucht: Kontinuierlich verfügbare Daten, intelligente Vernetzung und KI-gestützte Lösungen, die neue Versorgungswege ermöglichen. Unser Problem in Deutschland ist: sektorale Strukturen, tradierte Vergütungssysteme und uneinheitliche Vorgaben bremsen die digitale Transformation bislang aus. Was muss getan werden? Wir müssen Daten besser verfügbar machen. Wir müssen internationale Standards für Datenformate und -sicherheit verwenden. Wir müssen digitale Versorgung besser etablieren. Wir müssen digitale Versorgungspfade umsetzen. Die Nutzung von Daten ist das Kernelement, das digitale Versorgung in allen Sektoren und Situationen kennzeichnet. Dabei kann die Nutzung der Daten sehr verschieden gestaltet sein. Beispiele sind: - die Steuerung von Patientenpfaden anhand von aktuellen Daten und Informationen aus der Patientenhistorie, - das permanente Monitoring des Gesundheitszustandes anhand von kontinuierlich erhobenen Daten aus Sensoren oder anderen Messgeräten, - das situationsbezogene Management anhand von Alarmen bzw. Meldungen, - die Nutzung von Daten für die Weiterentwicklung von Produkten und Services sowie für Training, Validierung und Einsatz von KI, - die Nutzung von Daten für Digital Twin-Ansätze oder - die Nutzung von Daten für Training, Schulung, Weiterbildung. Wichtig ist, dass die erforderlichen Daten in der Versorgung zur richtigen Zeit und am richtigen Ort verfügbar sind, ein nutzbares Format haben oder über eine Schnittstelle genutzt werden können und die Rahmenbedingungen für die Datennutzung klar sind. **Aus Sicht der MedTech-Branche fordern wir:** - In einem neuen Primärversorgungssystem sollte die digitale Ersteinschätzung so entwickelt werden, dass künftig auch Echtzeitdaten für eine valide Ersteinschätzung genutzt werden können. - Für „Digital Twin-Technologien“ sollten pseudonymisierte Behandlungsdaten nutzbar gemacht werden. Denn Simulationen anhand von vorhandenem Bildmaterial können invasive Diagnostik verhindern oder Therapieschritte vorbereiten. - Das Einwilligungsmanagement zur Datennutzung im Behandlungsablauf sollte bundesweit vereinheitlicht werden und auf einer einheitlichen Interpretation der europäischen Datenschutz-Grundverordnung (DSGVO) basieren. - Für die Verbesserung von Produkten und Services braucht die Industrie Zugang zu Gesundheitsdaten und teilt selbst auch ihre Daten. Dabei sind allerdings IP-Rechte zu beachten, gerade bei Medizinprodukten. - Unser Appell: Smarte Gesundheitsversorgung entsteht nicht durch einzelne Innovationen, sondern durch das Zusammenspiel von Daten, Vernetzung und KI. Die Zukunft der Versorgung ist möglich – jetzt muss das System folgen. ## Zum Autor: Dr. Marc-Pierre Möll ist seit April 2019 Geschäftsführer des Bundesverbandes Medizintechnologie e. V. in Berlin sowie Geschäftsführer der BVMed-Akademie. Er ist zudem Mitglied des BVMed-Vorstands.