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1. Okt 2021

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Gesellschaft

Zwischen (Kunden-)Wunsch und (Rohstoff-)Realität

Journalist: Karsten Hunger

Von den Unternehmen der Verpackungsindustrie wird aktuell viel an Umstrukturierung und Neuausrichtung verlangt. Eine Branche erfindet sich neu – und muss sich neu erfinden. Dabei stehen derzeit gleich mehrere Herausforderungen im Fokus und prägen die Arbeit der Branche.

Karsten Hunger, Geschäftsführer des Industrieverbands Papier- und Folienverpackung e.V. (IPV); Foto: Presse

Corona-Pandemie und Lockdown haben deutlich gemacht, dass Schutz und Hygiene einen besonderen Stellenwert haben. Und was schützt besser, als intelligente Verpackungslösungen? Dennoch kämpft die Branche um Akzeptanz in der Öffentlichkeit. Papier statt Kunststoff ist ein aktuell oft geäußerter Verbraucherwunsch. Neben der produktspezifisch zu prüfenden Nachhaltigkeit, muss der Wunsch auch mit den notwendigen Barriereeigenschaften gegen Fett, Öl oder Wasser in Einklang gebracht werden – Eigenschaften, über die Papier und Kartonagen von Natur aus nicht oder nur in geringem Umfang verfügen. Zwar macht die Forschung hier sichtbare Fortschritte, ein wirkungsvoller Barriereschutz ist allerdings ohne Kunststoffanteile zum jetzigen Zeitpunkt nur in den wenigsten Fällen möglich. Bei lange haltbaren Lebensmitteln und für Medizinprodukte sind Verpackungen aus oder mit Kunststoff oft nicht nur die bessere, sondern die einzige Wahl. Aber ganz egal aus welchem Material: Ressourceneffizienz und Recyclingfähigkeit bleiben wichtige Kriterien für Verpackungen.

Vor ganz andere Herausforderungen wird die Branche durch die politischen Regulationen gestellt. Neue Leitlinien der EU-Kommission sollen beispielsweise klären, welche Produkte durch die EU-Einweg-Kunststoff-Richtlinie erfasst werden. Das Ziel ist, Littering grundsätzlich zu bekämpfen. Nach zweijähriger Erstellung der Leitlinien und vielen Verzögerungen blieben der Wirtschaft nur vier Wochen Zeit, zur Implementierung der Regelungen bis zur ersten Deadline am 03. Juli 2021. Die ursprünglich als praktische Hilfe geplanten Leitlinien – 55 Seiten stark – machen die Umsetzung dabei eher komplizierter als einfacher. Zum Vergleich: Die gesamte Richtlinie kommt auf einen Umfang von 19 Seiten. Trotz dieser Überkomplexität gibt es leider weiterhin Graubereiche und Abschnitte, in denen die Leitlinie den Anwendungsbereich der Richtlinie deutlich über-schreitet. Langwierige Gerichtsverfahren sind zu befürchten.

Das Jahr 2021 hat auch die Verpackungsbranche in Sachen Rohstoffverknappung kalt erwischt. Egal ob Kunststoff, Papier oder Klebstoffe, bei fast allen Rohstoffen gab oder gibt es Lieferschwierigkeiten oder zumindest große Kostenschwankungen. Selbst bei fertigen Produkten hören die Herausforderungen nicht auf, so werden für Paletten mittlerweile nie gekannte Prei-se verlangt, sofern sie überhaupt verfügbar sind. Die Lage sorgt für Sorgenfalten und macht Arbeit und Planung der Hersteller ungemein anspruchsvoll. 

2021 ist kein einfaches Jahr für die Unternehmen der Verpackungsindustrie. Die vielen Innovationen etablierter Firmen und die ungeahnte Vielzahl neuer Start-ups in den letzten Monaten lassen jedoch hoffnungsvoll in die Zukunft schauen.

28. Jan 2026

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Wirtschaft

Flexible Aus- und Weiterbildung als Schlüssel zum Erfolg – Ein Beitrag von Prof. Dr. Friedrich Hubert Esser, Präsident des Bundesinstituts für Berufsbildung (BIBB)

Zwischen 2025 und 2029 gehen rund 5,26 Mio. Erwerbstätige in den Ruhestand. Gleichzeitig erwarten wir, dass in diesem Zeitraum nur rund 4,37 Mio. Personen aus dem Bildungssystem oder aus dem Ausland neu auf den inländischen Arbeitsmarkt kommen. Der Ersatzbedarf lässt sich mengenmäßig nicht durch dieses Neuangebot stillen. Die Zahl der Erwerbstätigen wird somit zurückgehen. Zugleich braucht Deutschland dringend Erneuerungen. In unsere Sicherheit und Infrastruktur wird viel investiert werden müssen. In den Gesundheitsberufen wird die Nachfrage steigen, und auch in der IT-Entwicklung dürfen wir nicht zurückbleiben. Um unseren Wohlstand bei einer schwindenden Zahl an Erwerbstätigen auch in den kommenden Jahren zu erhalten, müssen wir technologische Entwicklungen intelligent nutzen. So können Tätigkeiten zum einen automatisiert werden, die bislang von Menschen ausgeübt werden. Zum anderen bieten sie aber auch Raum für neue Tätigkeiten und Geschäftsmodelle. Eine jüngst veröffentlichte Studie des Bundesinstituts für Berufsbildung, des Instituts für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung sowie der Gesellschaft für Wirtschaftliche Strukturforschung zeigt, dass allein die Auswirkungen von Künstlicher Intelligenz (KI) rund 1,6 Mio. Arbeitsplätze betreffen werden. Voraussichtlich werden rund 800.000 Arbeitsplätze in den kommenden 15 Jahren wegen der Nutzung von KI entfallen, während gleichzeitig rund 800.000 neu entstehen. Dieser Strukturwandel lässt sich nicht ohne berufliche Aus- und Weiterbildung bestreiten. >Um unseren Wohlstand bei einer schwindenden Zahl an Erwerbstätigen auch in den kommenden Jahren zu erhalten, müssen wir technologische Entwicklungen intelligent nutzen. Der Digitalisierung folgt der verstärkte Einsatz von KI, der abstrakte Klimawandel wird greifbar durch Flut- und Dürrekatastrophen, die demografische Entwicklung führt zu anderen Arbeitsmodellen und längeren Arbeitsphasen. Berufliche Qualifikationen bereiten uns im besten Fall darauf vor, auf Unvorhergesehenes zu reagieren. So eröffnen die 327 Ausbildungsberufe des dualen Systems die Möglichkeit, flexibel in einer Fülle von Erwerbsberufen tätig zu werden. Voraussetzung hierfür ist, dass exemplarisch in ausreichender fachlich-methodischer Breite und Tiefe gelernt wird und die für die Transformation notwendigen Schlüsselkompetenzen vermittelt werden. Zentral sind hier Transfer- und Problemlösefähigkeit, Kreativität sowie soziale und personale Kompetenzen. Wichtig ist aber auch, Menschen ohne Ausbildung durch die Nutzung abschlussorientierter Konzepte – wie zum Beispiel Teilqualifikationen oder Validierungsverfahren – für die Herausforderungen des Arbeitsmarkts der Zukunft zu befähigen. Vor dem Hintergrund des beschleunigten Strukturwandels leistet vor allem auch die berufliche Weiterbildung einen wichtigen Beitrag zur Fachkräftesicherung. Sie schafft individuelle Entwicklungsmöglichkeiten für die Beschäftigten. Deshalb müssen wir die formale Weiterbildung durch gezielte Flexibilisierung, Modularisierung und „Dualisierung“ – also die Verknüpfung von systematischem Lernen mit praktischer Anwendung am Arbeitsplatz – attraktiver gestalten und stärker mit non-formalen Angeboten verknüpfen. So kann es gelingen, möglichst viele Menschen für Weiterbildung zu gewinnen. Denn es ist arbeitsmarkt- und gesellschaftspolitisch nicht akzeptabel, große Bevölkerungsgruppen vom Arbeitsmarkt ausgeschlossen zu lassen. Die Attraktivität und Individualisierung der Weiterbildungsformate sind hier entscheidend.