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2. Apr 2026

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Wirtschaft

Zwischen Mensch und Maschine – mit Prof. Dr. Sebastian Schlund, Geschäftsführer von Fraunhofer Austria

Journalist: Thomas Soltau

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Foto: Presse, Getty Images/unsplash

Humanoide Roboter, autonome Systeme und KI verlassen die Versuchslabore und halten Einzug in reale Logistikumgebungen. Prof. Dr. Sebastian Schlund, Geschäftsführer von Fraunhofer Austria, weiß, wo Automatisierung heute schon funktioniert und wo sie an Grenzen stößt

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Prof. Dr. Sebastian Schlund, Geschäftsführer von Fraunhofer Austria

Robotik ist in der Logistik kein Zukunftsthema mehr. An welchem Punkt stehen wir aktuell zwischen Pilotprojekten und flächendeckendem Einsatz? Ein derzeit besonders aktuelles Thema ist die humanoide Robotik. Wir befinden uns an einem Punkt, an dem nahezu alle innovativen Unternehmen in Pilotprojekten damit experimentieren oder sich zumindest intensiv mit ihrem Potenzial auseinandersetzen. Zwar wird es noch etwa zehn bis 15 Jahre dauern, bis humanoide Roboter flächendeckend zum Einsatz kommen, und manche der Pilotprojekte werden letztlich nicht umgesetzt werden. Dennoch ist bereits jetzt ein deutlicher Impuls in Richtung mobiler Robotik zu erkennen.

Wo rechnet sich Automatisierung heute – und wo bleibt sie für viele Unternehmen noch ein Risiko? Automatisierung rechnet sich derzeit vor allem bei gut planbaren und repetitiven Aufgaben, etwa im innerbetrieblichen Transport oder in der Materialversorgung der Produktion. Die Kommissionierung hingegen stellt nach wie vor eine Herausforderung dar. Hier hängt es von mehreren Faktoren ab, wie viel Automatisierung sinnvoll ist. Bei der Handhabung von Gegenständen sind die Fähigkeiten automatisierter Systeme noch begrenzt, daher wird in diesem Bereich weiterhin manuelle Arbeit benötigt.

Was macht Logistikumgebungen für Roboter so anspruchsvoll? Es sind die Vielfalt und die Varianz der Prozesse und Produkte, die limitierend wirken. Dazu kommt noch das Thema Wahrnehmung: Der Roboter muss eine dreidimensionale Umgebung erfassen und in seine Steuerung umsetzen – hier gibt es noch Herausforderungen.

Der Mensch spielt eine wichtige Rolle beim Umgang mit unvorhergesehenen Ereignissen, denn Reaktionsfähigkeit und Problemlösung sind menschliche Assets.

Mit zunehmender Automatisierung wächst die Abhängigkeit von stabilen Abläufen. Wie anfällig werden Logistiksysteme dadurch für Störungen und Ausfälle? Prozesse müssen sehr gut standardisiert sein, um technische Lösungen nutzen zu können. Gleichzeitig sind diese Systeme hochgradig datengetrieben: Der Roboter ist letztlich nur das physische Abbild der Daten und KI, die im Hintergrund wirken – das schafft Abhängigkeiten. Der Mensch ist derzeit noch deutlich besser darin, auf Störungen zu reagieren, insbesondere im dreidimensionalen Raum. KI war bisher meist zweidimensional. Um sie in die physische Welt zu bringen und Embodied AI zu ermöglichen, muss sie die dritte Dimension beherrschen.

Welche Rolle spielt menschliche Erfahrung künftig noch in automatisierten Logistikprozessen? Der Mensch spielt eine wichtige Rolle beim Umgang mit unvorhergesehenen Ereignissen, denn Reaktionsfähigkeit und Problemlösung sind menschliche Assets.

Autonome mobile Roboter und fahrerlose Transportsysteme gelten als nächster Evolutionsschritt. Was bremst ihren Durchbruch im Alltag noch aus? Der Durchbruch im Bereich der fahrerlosen Transportsysteme ist in vollem Gange. Industrielle Umgebungen haben lange Investitionszyklen, daher ist der Effekt noch nicht in seiner vollen Ausprägung sichtbar, aber hier passiert gerade sehr viel.

Wie wird sich die Logistik verändern und woran wird man erkennen, dass Automatisierung mehr war als nur ein Effizienzversprechen? Wir beobachten, dass sich die Anforderungen in der Logistik derzeit wieder deutlich erhöhen: Lieferzeiten nehmen ab, die Varianz steigt weiter. Gleichzeitig wird der Automatisierungsgrad schrittweise steigen, denn hinter jeder Automatisierung liegen reale Business Cases. Das Versprechen der Effizienz wird eingelöst – aber nicht von einem Tag auf den anderen.

Wir beobachten, dass sich die Anforderungen in der Logistik derzeit wieder deutlich erhöhen: Lieferzeiten nehmen ab, die Varianz steigt weiter.