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11. Jul 2025

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Gesundheit

4 Volkskrankheiten

Journalist: Nadine Wagner

Alles rund um psychische Erkankungen, Diabetes, Gelenkerkrankungen und Bluthochdruck.

Bluthochdruck
In Deutschland leiden etwa 20 bis 30 Mio. Menschen an Bluthochdruck. Im Erwachsenenalter sind dabei tendenziell mehr Männer als Frauen betroffen – im Alter zwischen 40 und 49 Jahren ist es etwa jeder Fünfte. Die Krankheit wird oft rein zufällig bei Routineuntersuchungen entdeckt, da viele Menschen mit Bluthochdruck nur selten Beschwerden haben. Die regelmäßige Blutdruckmessung kann deshalb dazu beitragen, dass Bluthochruck frühzeitig erkannt wird, denn ein dauerhaft erhöhter Blutdruck kann mitunter zu lebensbedrohlichen Herz-Kreislauf-Erkrankungen führen. Es gibt üblicherweise mehrere Faktoren, die Bluthochdruck begünstigen. Hierzu zählen das Alter, eine familiäre Veranlagung sowie ein jahrelanger ungesunder Lebensstil. Überdies belasten zu viele Pfunde wie auch zu wenig Bewegung Herz und Kreislauf. Wer sich im Alltag also regelmäßig bewegt – die WHO empfiehlt mind. 150 Minuten pro Woche – verbessert den Blutfluss. Bluthochdruck wird daher i. d. R. zunächst mit einer Lebensstiländerung hin zu einer vollwertigen, salzarmen Ernährung und körperlicher Bewegung behandelt. Lässt sich so keine ausreichende Blutdrucksenkung erreichen, müssen jedoch zusätzlich Medikamente eingenommen werden.
Foto: SHVETS production/pexels

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Gelenkerkrankungen
Ein plötzlich auftretender Schmerz im Gelenk, quälend wie Tausend Nadelstiche – so fühlt sich für viele Betroffene ein Gichtanfall an. Rund eine Million Menschen leben in Deutschland mit der Diagnose „Arthritis urica“, einer Stoffwechselstörung, bei der erhöhte Harnsäurewerte für starke Schmerzen in einer Vielzahl von Gelenken sorgen. Die allermeisten Patienten sind dabei männlich; der erste Anfall tritt oft um das 40. Lebensjahr herum auf. Meist beginnt die Erkrankung nachts mit Schmerzattacken im Großzehen-Grundgelenk, Knie- oder Sprunggelenk. Weitere Symptome sind u. a. Rötungen, Schwellungen und eine Überwärmung des Gelenks sowie Bewegungseinschränkungen. Die Ursache für Gichterkrankungen ist dabei genetisch bedingt. Neun von zehn Gichtpatienten leiden von Geburt an unter der Stoffwechselstörung, Mediziner sprechen dann von einer primären Gicht. Ob es zum Gichtanfall kommt, hängt jedoch von verschiedenen Faktoren ab. Zu den klassischen Auslösern gehören ein anhaltend hoher Fleischkonsum, fruktosehaltige Lebensmittel, Bluthochdruck, die Einnahme von Diuretika sowie Übergewicht. Sowohl zur Vorbeugung als auch zur Dauerbehandlung ist daher eine Ernährungsumstellung nötig.
Foto: Erwans Socks/unsplash

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Diabetes mellitus
Typ-2-Diabetes (Diabetes mellitus) zählt in den Industrienationen zu den meistverbreiteten Volkskrankheiten. Die sog. „Zuckerkrankheit“ ist eine Stoffwechselerkrankung, die laut RKI überwiegend im Erwachsenenalter auftritt – mindestens jeder fünfte Erwachsene hat hierzulande auffällige Blutzuckerwerte. Die Ursache für Typ-2-Diabetes liegt in der Bauchspeicheldrüse, wo das lebenswichtige Hormon Insulin gebildet wird. Ist die Blutzucker-Konzentration dauerhaft zu hoch, werden Körperzellen resistent. Erste Anzeichen einer solchen Insulinresistenz sind vor allem sind Abgeschlagenheit und allgemeines Unwohlsein. Zwar ist die Neigung, an Diabetes zu erkranken, u. a. erblich bedingt, jedoch führt erst ein ungesunder Lebensstil zum Ausbruch der Krankheit. Insbesondere ein übermäßiger Konsum an „einfachen“ Kohlenhydraten führt zu einem erhöhten Blutzuckerspiegel. Etwa die Hälfte aller Diabetiker können ihre Krankheit daher allein durch eine bewusste Ernährung sowie durch gezielte Bewegung zurückdrängen. Auf Weißmehl, Zucker und ungesättigte Fette sollte verzichtet werden, besser ist es, sich ballaststoffreich zu ernähren.
Foto: PhotoMIX Company/pexels

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Psychische Erkrankungen
Rund fünf Millionen Menschen in Deutschland erkranken jedes Jahr an einer Depression. Die Krankheit kann dabei grundsätzlich Jeden treffen – insbesondere bei depressiven Männern können Wut, Gereiztheit und Aggressionen erste Anzeichen einer psychischen Erkrankung sein. Neben diesen – eher untypischen – Symptomen, sind es vor allem Interessenverlust, eine allgemeine getrübte Stimmung, Antriebslosigkeit und Freudverlust, die auf eine Depression hindeuten. Männern fällt es jedoch oft schwerer als Frauen, Gefühlszustände wie Anspannung oder Traurigkeit wahrzunehmen. Grund hierfür ist das noch immer vorherrschende klassische Rollenbild des „starken Mannes“. Selbst anzuerkennen, dass man Hilfe benötigt, ist jedoch ein erster wichtiger Schritt und zeugt von großer Stärke. Es kann helfen, sich zunächst Freunden und Familie anzuvertrauen oder mit dem Hausarzt darüber zu reden, denn Depressionen können zur Vereinsamung beitragen und unbehandelt über Jahre bestehen bleiben. In der Regel tritt eine Depression gemeinsam mit anderen psychischen Erkrankungen auf, z. B. Angst- oder Panikstörungen. Je früher Depressionen erkannt und behandelt werden, desto größer ist die Chance auf Heilung.
Foto: Yosi Prihantoro/unsplash

11. Jun 2026

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Gesundheit

Mehr als Sport: Warum Vereine unverzichtbar sind – Ein Beitrag von Thomas Weikert, Präsident des Deutschen Olympischen Sportbundes

Es gibt Orte, an denen Gesellschaft im Kleinen sichtbar wird. Orte, an denen Menschen zusammenkommen, die sich sonst vielleicht nie begegnet wären – weil sie unterschiedliche Lebenswege haben, verschiedenen Altersgruppen angehören, unterschiedlichen Jobs nachgehen oder aus diversen sozialen Kontexten kommen. Diese Orte gibt es in Deutschland zum Glück fast überall, rund 86.000-mal: Es sind unsere Sportvereine. Denn in Deutschland engagieren sich Millionen von Menschen genau hier. Sie trainieren gemeinsam, halten sich fit, knüpfen Freundschaften, organisieren Wettkämpfe, begleiten Kinder und Jugendliche in ihrer Entwicklung und schaffen Strukturen, die weit über das eigentliche Sporttreiben hinausreichen. Sportvereine sind mehr als Orte der Bewegung, sie sind soziale Räume. Sie fördern Zusammenhalt, vermitteln Werte wie Fairness, Respekt und Verlässlichkeit und stärken damit unsere Gesellschaft. Der Vereinssport ist die größte Bürgerbewegung unseres Landes. Mit mehr als 29 Millionen Mitgliedschaften vereint er mehr Mitglieder als der ADAC, als sämtliche politische Parteien, als die Kirchen und – man mag es kaum glauben – mehr, als es Netflix-Abos in Deutschland gibt. Zum zweiten Mal hintereinander haben die Sportvereine unter dem Dach des Deutschen Olympischen Sportbundes 2025 Rekordwerte gefeiert. >Sport verbindet, er hält gesund und bringt uns zusammen. Aber um das tun zu können, braucht er passende Orte, an denen er sein Potenzial entfalten kann. Diese Orte gibt es 86.000-mal in Deutschland, und wir alle sollten sie stärken, indem wir uns einbringen, wo wir können. Gleichzeitig stehen viele dieser Strukturen unter Druck. Ehrenamtliches Engagement wird immer knapper, Sportvereine werden heute mehr als Dienstleister denn als Gemeinschaftsprojekt gesehen. Hallenzeiten fehlen, Bürokratie führt zu Belastungen und finanzielle Ressourcen sind begrenzt. Sportvereine haben es trotz – oder gerade wegen – ihrer vielen Mitglieder nicht leicht. Wir sehen, dass der Wunsch bei sehr vielen Menschen so groß ist wie nie zuvor, etwas Gutes für ihre Gesundheit zu tun; und dass sie das nicht allein tun wollen im Fitnessstudio, beim Joggen im Park oder auf der Yogamatte bei sich zu Hause, sondern dass sie Gemeinschaft suchen im Sportverein um die Ecke. Für wenig Geld im Monat gibt es hier Sport, der Spaß macht, von Trainer:innen geleitet wird, der die Gesundheit fördert und der Menschen zusammenbringt. Auch in diesem Jahr steuern wir wieder auf einen Mitgliederrekord zu. Das sind gute Nachrichten, aber sie führen dazu, dass die bestehenden Probleme – eine stagnierende Zahl an Ehrenamtlichen muss mehr Menschen betreuen, und das in zunehmend maroden Sportstätten – sich noch stärker zeigen. Der gesellschaftliche Wert von Sport entfaltet sich nicht automatisch. Er entsteht dort, wo Menschen sich einbringen. Ein Sportverein ohne Menschen aus seiner Stadt, seinem Dorf, seiner Nachbarschaft, die sich heute engagieren, macht morgen seine Türen zu. Wer im Verein aktiv ist, trägt dazu bei, dass gemeinschaftliches Sporttreiben überhaupt möglich bleibt. Die Frage ist nicht, ob wir Sport brauchen – diese Frage lässt sich leicht mit „Ja“ beantworten. Die Frage ist, wie viele von uns bereit sind, ihn mitzugestalten und mit Leben zu füllen. Ob als Mitglied, als Ehrenamtlicher oder als jemand, der andere mitzieht: Jeder Beitrag zählt. Sportvereine funktionieren nicht von selbst. Sie funktionieren besonders dort gut, wo sie von vielen unterschiedlichen Menschen getragen werden. Sport verbindet, er hält gesund und bringt uns zusammen. Aber um das tun zu können, braucht er passende Orte, an denen er sein Potenzial entfalten kann. Diese Orte gibt es 86.000-mal in Deutschland, und wir alle sollten sie stärken, indem wir uns einbringen, wo wir können.