Diesen Artikel teilen:

30. Dez 2024

|

Gesundheit

Ästhetisch-Plastische Chirurgie – warum Natürlichkeit wichtiger ist denn je – ein Beitrag von Dr. med. Helge Jens

|

Foto: Presse

Die Ästhetisch-Plastische Chirurgie findet innerhalb unserer Gesellschaft immer mehr Akzeptanz. Ein wünschenswerter Zustand für unsere und auch andere Fachgesellschaften, die sich schwerpunktmäßig mit dem Fachbereich der Ästhetischen Chirurgie befassen. Dass der Markt der ästhetischen Behandlungen in Deutschland zu den Wachstumsmärkten zählt, ist kein Geheimnis. Und viele, gerade auch jüngere Ärzte, lockt die vermeintliche Lukrativität der Ästhetischen Medizin, direkt ins Berufsleben einzusteigen, ohne vorab eine Facharztausbildung absolviert zu haben. Dabei hat die Kreativität an Eigenbetitelungen gerade im Ästhetischen Bereich kaum Grenzen – gepaart mit mangelnder Erfahrung kann dies eine verheerende Mischung für die Patienten sein.

So sehen sich unsere Mitglieder, die allesamt die langjährige Ausbildung zum Facharzt für Plastische und Ästhetische Chirurgie durchlaufen haben, zunehmend Ergebnissen ausgesetzt, die andere, weniger erfahrene Kollegen zu verantworten haben. Diese treten mit selbsternannten Titeln wie „Schönheitschirurg“, „Beauty Doc“ oder „Experte für Ästhetische Medizin“ auf und vermitteln Patienten dadurch Kompetenz. Auch wenn Fach- und Publikumspresse vermehrt sensibilisiert und aufklärend mit diesem Thema umgehen, sind die Zahlen über die Unkenntnis bei den Patientinnen nach wie vor sehr hoch. 48,6 % der jungen Patientinnen unter 30 wissen laut DGÄPC Statistik 2024 nicht, worin der Unterschied zwischen einem Facharzt, Beauty Doc und Co. liegt.

Ein weiterer Punkt ist die stark veränderte Mediennutzung. Kurzlebiger, teils stark bearbeiteter Content vermittelt ein unreales Schönheitsideal. Filter, KI und auch Überbehandlungen scheinen bei manchen Influencern und Werbetreibenden zum normalen Repertoire zu gehören. Selbst wünschenswerte Gegenbewegungen der Body Posivity können die Beeinflussung der jungen Zielgruppe nicht aufhalten. Die neuesten Zahlen der DGÄPC-Statistik zeigen sehr deutlich, dass der Einfluss der Sozialen Medien auf das Selbstbild eklatant ist. Es wurde der höchste Wert bei der Verstärkung des Wunsches nach persönlicher Veränderung durch die Sozialen Medien erzielt.

Deshalb ist es wichtig, gerade die junge, vulnerable Zielgruppe zu schützen, in dem man Inhalte dieser Art verpflichtend kennzeichnen muss. Der Sinn für attraktive Natürlichkeit und Normalität in der Optik muss wieder hergestellt werden, sodass alle die Chance auf ein gutes Selbstwertgefühl haben – mit oder ohne Schönheitsmakel. Den drei großen Fachgesellschaften für Plastische und Ästhetische Chirurgie in Deutschland DGPRÄC, VDÄPC und DGÄPC ist es gelungen, einen ersten Vorstoß zum Schutz junger Menschen zu erreichen. Eine gemeinsam eingereichte Petition sorgte dafür, dass das Anliegen nun in die Bundesministerien für Justiz und für Familie, Senioren, Frauen und Jugend überwiesen wurde. Aber wegen der großen politischen Unruhe liegt das Anliegen dort nun geduldig.

Als seriös tätiger Facharzt mit eigenen Kindern, der immer häufiger auch in der eigenen Praxis Patienten mit Selbstwahrnehmungsstörungen berät, ist es mir ein Anliegen, gemeinsam mit meinen Kollegen und den anderen großen Fachgesellschaften weiter Druck auf die Politik aufzubauen. Und es braucht noch mehr mediale Kampagnen (wie diese), die im Sinne der Patientensicherheit und auch des eigenen Selbstwerts das Bewusstsein für natürliche Attraktivität und auch für fachliche Kompetenz der behandelnden Ärzte schärfen.

25. Jun 2026

|

Gesundheit

Mit Datennutzung und Innovationen zur Smarten Gesundheitsversorgung –Ein Beitrag von Dr. Marc-Pierre Möll, Geschäftsführer und Vorstandsmitglied BVMed – Bundesverband Medizintechnologie

Denn moderne Medizintechnik liefert genau das, was eine smarte Gesundheitsversorgung braucht: Kontinuierlich verfügbare Daten, intelligente Vernetzung und KI-gestützte Lösungen, die neue Versorgungswege ermöglichen. Unser Problem in Deutschland ist: sektorale Strukturen, tradierte Vergütungssysteme und uneinheitliche Vorgaben bremsen die digitale Transformation bislang aus. Was muss getan werden? Wir müssen Daten besser verfügbar machen. Wir müssen internationale Standards für Datenformate und -sicherheit verwenden. Wir müssen digitale Versorgung besser etablieren. Wir müssen digitale Versorgungspfade umsetzen. Die Nutzung von Daten ist das Kernelement, das digitale Versorgung in allen Sektoren und Situationen kennzeichnet. Dabei kann die Nutzung der Daten sehr verschieden gestaltet sein. Beispiele sind: - die Steuerung von Patientenpfaden anhand von aktuellen Daten und Informationen aus der Patientenhistorie, - das permanente Monitoring des Gesundheitszustandes anhand von kontinuierlich erhobenen Daten aus Sensoren oder anderen Messgeräten, - das situationsbezogene Management anhand von Alarmen bzw. Meldungen, - die Nutzung von Daten für die Weiterentwicklung von Produkten und Services sowie für Training, Validierung und Einsatz von KI, - die Nutzung von Daten für Digital Twin-Ansätze oder - die Nutzung von Daten für Training, Schulung, Weiterbildung. Wichtig ist, dass die erforderlichen Daten in der Versorgung zur richtigen Zeit und am richtigen Ort verfügbar sind, ein nutzbares Format haben oder über eine Schnittstelle genutzt werden können und die Rahmenbedingungen für die Datennutzung klar sind. **Aus Sicht der MedTech-Branche fordern wir:** - In einem neuen Primärversorgungssystem sollte die digitale Ersteinschätzung so entwickelt werden, dass künftig auch Echtzeitdaten für eine valide Ersteinschätzung genutzt werden können. - Für „Digital Twin-Technologien“ sollten pseudonymisierte Behandlungsdaten nutzbar gemacht werden. Denn Simulationen anhand von vorhandenem Bildmaterial können invasive Diagnostik verhindern oder Therapieschritte vorbereiten. - Das Einwilligungsmanagement zur Datennutzung im Behandlungsablauf sollte bundesweit vereinheitlicht werden und auf einer einheitlichen Interpretation der europäischen Datenschutz-Grundverordnung (DSGVO) basieren. - Für die Verbesserung von Produkten und Services braucht die Industrie Zugang zu Gesundheitsdaten und teilt selbst auch ihre Daten. Dabei sind allerdings IP-Rechte zu beachten, gerade bei Medizinprodukten. - Unser Appell: Smarte Gesundheitsversorgung entsteht nicht durch einzelne Innovationen, sondern durch das Zusammenspiel von Daten, Vernetzung und KI. Die Zukunft der Versorgung ist möglich – jetzt muss das System folgen. ## Zum Autor: Dr. Marc-Pierre Möll ist seit April 2019 Geschäftsführer des Bundesverbandes Medizintechnologie e. V. in Berlin sowie Geschäftsführer der BVMed-Akademie. Er ist zudem Mitglied des BVMed-Vorstands.