Diesen Artikel teilen:

24. Dez 2021

|

Gesundheit

Am besten schläft man ohne Kissen

Journalist: Katja Deutsch

Roland Liebscher-Bracht, Deutschlands bekanntester Schmerzspezialist, rät, beim Schlafen auf Matratze und vor allem Körperhaltung zu achten. „Die beiden besten Mittel gegen Rückenschmerzen sind erstens, regelmäßig meine Übungen zu machen und zweitens, diese Wirkung mit der richtigen Matratze zu unterstützen.“ Doch was zeichnet die richtige Matratze aus? Möglichst weiche Machart im Nacken- und Hüftbereich?

Roland Liebscher-Bracht, Deutschlands bekanntester Schmerzspezialist

Mitnichten. Der Schmerzexperte empfiehlt genau das Gegenteil: Eine Matratze so hart wie möglich und so weich wie nötig. Denn eine harte Matratze unterstützt eine schmerzmindernde Schlafposition auf dem Rücken – die wir uns angewöhnen sollten. Der Grund liegt darin, dass die meisten Menschen nachts dieselbe Körperhaltung einnehmen wie tagsüber, nur eben horizontal. Wer also den ganzen Tag gebückt am Schreibtisch sitzt, legt sich auch am liebsten in dieser Position ins Bett: In Seitenlage, mit rundem Rücken und angewinkelten Beinen. Über die vielen Jahre in dieser Körperhaltung bildet sich die S-Krümmung der Wirbelsäule sehr stark aus, die Schultern fallen nach vorne, Rundrücken und Hohlkreuz entstehen, der Nacken wird immer kürzer, der Kopf überstreckt („Geierhalsposition“). Schlechte Haltung und Rückenschmerzen sind die Folge. Weiche Matratzen fühlen sich erst einmal sehr schmeichelhaft an, weil unser Körper es liebt, in den tagsüber antrainierten Positionen zu schlafen. Doch für den Körper sind sie schlecht. „Eine feste Matratze ist wie ein nächtliches Übungsprogramm, das keine Zeit kostet und das man im Schlaf absolvieren kann“, so der Schmerzexperte. „Im Normalfall schalten die Muskeln beim Schlaf runter, und wenn man das mit einer festen Matratze verknüpft, hat man ein tolles Training.“

Denn wer auf einer harten Matratze auf dem Rücken schläft, sorgt dafür, dass der überstreckte Nacken nach unten sinkt und sich wieder entspannt, dass sich der Rundrücken wieder ausrichtet und abflacht und dass sich die Restwirbelsäule begradigt. Knie und Hüfte werden gestreckt, ebenso die Arme. Flauschige, dicke Kissen unterstützen dagegen die jahrelang antrainierte Fehlhaltung wie den „Witwenbuckel“, denn sie drücken den Kopf weiterhin nach vorne. Deshalb: Kissen weg! Aber nicht gleich ganz wegwerfen, sondern lieber als Kopfstütze nehmen, damit man auch wirklich gerade liegen bleibt.

Diese Umstellung auf eine feste Matratze kann extrem hart sein, viele berichten dabei von anfänglichen starken, muskelkaterähnlichen Schmerzen und sind völlig gerädert. Doch nach zwei bis drei Wochen hat sich der Körper an neue Strukturen gewöhnt und merkt intuitiv, wie gut das Schlafen auf einer harten Unterlage ist. „Wir propagieren also genau das Gegenteil der angesagten Matratzentrends“, sagt Roland Liebscher-Bracht. „Und das wird übrigens in vielen asiatischen Ländern seit jeher so gemacht. Da schlafen die Menschen gleich ganz auf dem Boden auf einem Teppich und es geht ihnen bestens damit.“

29. Dez 2025

|

Gesundheit

Gesund & Aktiv im Alter

### Pilates – tiefenwirksame Praxis Ideal für Best Ager: Das sanfte, gelenkschonende Ganzkörpertraining kann nicht nur mit eingeschränkter Beweglichkeit praktiziert werden, sondern wirkt auch altersbedingten Beschwerden entgegen. In jeder Pilates-Stunde werden neben Muskelkraft, Stabilität und Mobilität auch Koordination und Gleichgewicht trainiert. Die Übungen lassen sich im Sitzen, Stehen oder Liegen durchführen und werden an Fitnesslevel und Leistungsstand angepasst. Es werden dabei gezielt die tiefliegenden Muskeln in Bauch, Rücken und Beckenboden angesprochen – jene Muskulatur, die für Stabilität, Gleichgewicht und Sturzprävention wichtig ist. Regelmäßiges Training sorgt so für erhöhte Beweglichkeit, eine verbesserte Körperhaltung und Balance und kann sogar dauerhaft den Blutdruck senken. Um die richtige Atemtechnik zu erlernen, sollte unbedingt ein Einstiegskurs in dieser Altersgruppe besucht werden. Bei körperlichen Einschränkungen finden sich unter den rund 500 unterschiedlichen Bewegungsmuster immer genügend Ausweichübungen. ![pexels-roodzn-34314432 ONLINE.jpg](https://cwbucket.fra1.digitaloceanspaces.com/pexels_roodzn_34314432_ONLINE_01d8168c42.jpg) ### Schwimmen – schwerelos sporteln Auch diese Sportart kann Senioren uneingeschränkt empfohlen werden – bei konkreten Gelenkschmerzen fallen lediglich einzelne Schwimmstile ins Wasser beziehungsweise sollten durch andere ersetzt werden. Das Besondere: Im Wasser wird das Körpergewicht um ein Vielfaches aufgehoben. Bedingt durch die Schwerelosigkeit werden die Gelenke geschont und die Muskeln sanft trainiert – und zwar alle großen Muskelgruppen. Schwimmen ist quasi ein Allrounder, denn die Aktivität verbessert Kraft, Ausdauer und Beweglichkeit. Regelmäßiges Training stärkt das Herz-Kreislauf-System, regt den Stoffwechsel an und kann sogar die Cholesterinwerte senken. Es kommt sogar noch besser: Das Immunsystem wird gestärkt, Stress abgebaut und die Koordination verbessert. Von den komplexen Bewegungsabläufen profitieren übrigens auch die kognitiven Fähigkeiten: Studien belegen, dass regelmäßiges Schwimmen das Demenzrisiko senken beziehungsweise einen Demenzverlauf positiv beeinflussen kann. Wer mit sämtlichen Schwimmstilen Schwierigkeiten hat, kann es mit Aqua-Fitness versuchen. ![pexels-pavel-danilyuk-6874403 Online.jpg](https://cwbucket.fra1.digitaloceanspaces.com/pexels_pavel_danilyuk_6874403_Online_a2532ecc8e.jpg) ### Nordic Walking – echter Selbstläufer Die gelenkschonende Alternative zum Joggen gehört wahrscheinlich zu den beliebtesten Best Ager-Sportarten. Kein Wunder: Nordic Walking ist einfach umzusetzen, stärkt die Muskulatur, verbessert die Koordination und Körperhaltung und fördert die Herz-Kreislauf-Gesundheit. Durch den Stockeinsatz wird nicht nur der Bewegungsapparat entlastet, sondern zusätzlich Arm-, Schulter- und Rückenmuskulatur trainiert. Das ursprünglich für finnische Skilangläufer entwickelte Sommertraining reguliert den Blutdruck und trainiert die Herzgefäße: Das Herz wird kräftiger durchblutet und mit Sauerstoff versorgt. Darüber hinaus aktiviert regelmäßige Praxis den Hormonhaushalt, stärkt das Immunsystem und beugt Osteoporose und Altersdiabetes vor. Die koordinierte Bewegung festigt die Balance und fördert die koordinativen Fähigkeiten des Gehirns. Darüber hinaus wirkt sich die Bewegung in der freien Natur positiv auf die Psyche aus: Stress kann abgebaut und depressiven Verstimmungen entgegenwirkt werden. Wer nicht allein walkt, hat auch im sozialen Bereich einen echten Lauf. ![pexels-pack2ride-85580365-8934510 ONLINE.jpg](https://cwbucket.fra1.digitaloceanspaces.com/pexels_pack2ride_85580365_8934510_ONLINE_ca5f7bad72.jpg) ### Radfahren – läuft wie geschmiert Für das Fahrrad ist man im Grunde nie zu alt. Bei moderatem Tempo ist die gelenkschonende Aktivität ein optimales Ausdauertraining, welches das Herz-Kreislauf-System auf sanfte Weise in Schwung bringt. Neben Herz und Lunge werden eine Reihe von Muskelgruppen (insbesondere die Beinmuskulatur) gestärkt. Darüber hinaus kräftigt Radfahren das Immunsystem und beeinflusst das vegetative Nervensystem positiv. Es ist zudem eine herrliche Schulung für Koordination und Gleichgewicht: Eine Studie belegt bei aktiven älteren Fahrradfahrenden weniger Stürze im Alltag. Ein weiteres Plus für Best Ager: Biken trainiert die Gehirnleistung und stärkt kognitive Funktionen. Auch die mentale Gesundheit profitiert, denn die Kombination aus Bewegung und Naturerlebnis wirkt stressabbauend und stimmungsaufhellend. Studien betonen zudem eine Stärkung sozialer Kontakte durch den erweiterten Aktivitätsradius, welche sich ebenfalls positiv auf die Psyche auswirkt.