EIn Portrait von Tom Belz

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13. Mär 2024

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Gesundheit

Auf einem Bein auf den Kilimandscharo – Interview mit Tom Belz

Journalist: Chan Sidki-Lundius

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Foto: Presse

Mit acht Jahren erkrankt Tom Belz an Knochenkrebs, das linke Bein muss amputiert werden. Sein starker Wille hilft ihm, selbst die größten Hürden zu nehmen.

**Tom, wie hat sich deine Krebserkrankung bemerkbar gemacht? ** Ich war ein aktiver, quirliger Junge, der kaum stillsitzen konnte. Doch irgendwann stellte ich fest, dass meine Bewegungen langsamer wurden. Und ich bekam Schmerzen im Bein. Der Hausarzt schickte mich dann zum Röntgen, kurz danach kam die Hiobsbotschaft, Osteosarkom! Ohne meinen Freunden „tschüss“ sagen zu können, ging es dann für mich direkt in die Uniklinik Frankfurt.

Das muss ein Schock gewesen sein. Und wie! Ich war ja noch nie zuvor in einem Krankenhaus gewesen. Der erste Eindruck hat mich fast erschlagen, der Geruch von Sterillium, die vielen glatzköpfigen Kinder, einfach nur erschreckend. Und die Therapie war mit vielen Schmerzen verbunden. Dazu hat es mich total genervt, dass die Erwachsenen immer wussten, was gut oder sogar das Beste für mich sein soll. Da musste mein Frust raus. In dieser Zeit galt ich auf der Station als „charmantes Monster“.

Gab es denn auch positive Seiten deines fast neunmonatigen Krankenhausaufenthalts? Auf jeden Fall. Ich habe nach einiger Zeit Freunde gefunden, denn ich wusste: Ohne Freunde komme ich hier nicht raus. Wir konnten, soweit es unser Zustand erlaubte, zusammen spielen und sogar mit der von mir gegründeten Band ab und zu Musik machen. Meine Eltern haben immer das Beste für mich rausgeholt und alles möglich gemacht, was in ihren Kräften stand. Sie waren ebenso wie die tollen Therapeuten mein Fels in der Brandung.

Wie ging es für dich weiter, nachdem dein Bein amputiert wurde? Da hatte ich noch einige heftige Chemos und im Laufe des langwierigen Heilungsprozesses viele Schmerzen. Ich konnte zunächst nicht sitzen, nicht stehen und schon gar nicht laufen. Das musste ich alles wieder neu lernen. Meine Selbstständigkeit wollte ich so schnell wie möglich wieder zurück. In dieser Phase entwickelte ich sehr viel Ehrgeiz. Sonderbehandlungen waren mir von Anfang an zuwider und in Watte wollte ich auch nicht gepackt werden. Deshalb habe ich zum Beispiel in einem herkömmlichen Verein Fußball gespielt.

Du hast dich dann gegen eine Prothese entschieden. Warum? Als man mir versprach, dass ich „Terminator“-Beine bekomme, war ich begeistert. Doch die Prothese, die man mir dann präsentierte, empfand ich einfach nur hinderlich. Als Held fühlte ich mich damit absolut nicht. Meinen Eltern zuliebe habe ich sie dann aber fast ein Jahr getragen, irgendwann ist sie dann komplett in den Kleiderschrank gewandert. Von da an habe ich mein Leben und auch meinen heißgeliebten Sport mit Krücken bestritten. Und das hat wunderbar geklappt. Den Ärzten, Orthopäden, Physiotherapeuten, Krankenpflegern und allen, die jemals an mir gezweifelt haben und mir Steine in den Weg legen wollten, konnte ich so zeigen, dass ich das schaffe und gut klarkomme.

Wie lautet aus heutiger Sicht dein Rat an Eltern von Kindern, die an Krebs erkrankt sind? Sie sollten ihre Kids in anstehende Entscheidungen so gut es geht einbinden, Prioritäten setzen und Verantwortung übernehmen, wenn es um das Wohl der kleinen Patienten geht.

Wie entstand die Idee, mit Anfang 30 den 5.895 Meter hohen Kilimandscharo zu besteigen? Es war für mich an der Zeit, mir und der Welt zu zeigen, wer ich bin und was ich kann. Die achttägige Wanderung auf den Gipfel hat sieben Tage gedauert, der Weg war das Ziel. Zu der enormen Steigung kamen eisige Kälte und starker Wind hinzu, aber der Sonnenaufgang war unbeschreiblich. Für mich war dies das größte Abenteuer in meinem Leben. Das ist nun schon eine Weile her. Wie sieht dein Leben heute aus? Als gelernter Erzieher arbeite ich in einer Tagesförderstätte für geistig und stark mehrfach behinderte Menschen in Offenbach. In meiner Freizeit spiele ich gern Schlagzeug und ich gehe raus in die Natur. Außerdem reise ich super gern, gerade war ich mit meiner Partnerin in Thailand. In nächster Zeit möchte ich mein neues Dachzelt ausgiebig nutzen. Es gibt so viel zu erkunden, unsere Welt ist einfach wunderbar.

Ist das auch deine wichtigste Botschaft als Speaker und Buchautor? Ja, in gewisser Weise schon. Ich möchte Kindern und Erwachsenen – besonders jenen, deren Lebenssituation sich ganz plötzlich verändert hat, aber auch Mut machen. Sie sollten sich nicht eingrenzen lassen und sich trauen, neue Wege zu gehen oder auch mal gegen den Strom schwimmen. Und ganz wichtig: Veränderungen akzeptieren. Nicht alle Veränderungen sind schlecht. Schlussendlich ist jeder Schmied seines Lebens.

Lesenwert: die Bücher von Tom Belz

Kleiner Löwe, großer Mut: ein wundervoll illustriertes Kinderbuch über Selbstvertrauen, Mut, Inklusion und Diversität. Erzählt wird die Geschichte eines dreibeinigen Löwen, der beweist, wie viel Kraft in ihm steckt. arsEdition, 32 Seiten, ISBN 978-3845857398. Do what you can't: Mit einem Bein auf den Kilimandscharo. In diesem Buch berichtet Tom Belz eindrucksvoll über sein Leben und sein Abenteuer auf dem höchsten Berg Afrikas. FISCHER Taschenbuch, 240 Seiten, ISBN: 978-3-596-00138-5.

Interenssanter Fakt:

Der gelernte Erzieher Tom Belz (37) mag Tattoos und trägt lange Haare. Damit sie zu seinem Style passen, sind seine Krücken immer schwarz. Tom, ein leidenschaftlicher Surfer und Sporttaucher, ist ein begehrter Speaker. Einblicke aus seinem Leben teilt er als @tomnative auf Facebook, Instagram und YouTube.

29. Dez 2025

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Gesundheit

Gesund & Aktiv im Alter

### Pilates – tiefenwirksame Praxis Ideal für Best Ager: Das sanfte, gelenkschonende Ganzkörpertraining kann nicht nur mit eingeschränkter Beweglichkeit praktiziert werden, sondern wirkt auch altersbedingten Beschwerden entgegen. In jeder Pilates-Stunde werden neben Muskelkraft, Stabilität und Mobilität auch Koordination und Gleichgewicht trainiert. Die Übungen lassen sich im Sitzen, Stehen oder Liegen durchführen und werden an Fitnesslevel und Leistungsstand angepasst. Es werden dabei gezielt die tiefliegenden Muskeln in Bauch, Rücken und Beckenboden angesprochen – jene Muskulatur, die für Stabilität, Gleichgewicht und Sturzprävention wichtig ist. Regelmäßiges Training sorgt so für erhöhte Beweglichkeit, eine verbesserte Körperhaltung und Balance und kann sogar dauerhaft den Blutdruck senken. Um die richtige Atemtechnik zu erlernen, sollte unbedingt ein Einstiegskurs in dieser Altersgruppe besucht werden. Bei körperlichen Einschränkungen finden sich unter den rund 500 unterschiedlichen Bewegungsmuster immer genügend Ausweichübungen. ![pexels-roodzn-34314432 ONLINE.jpg](https://cwbucket.fra1.digitaloceanspaces.com/pexels_roodzn_34314432_ONLINE_01d8168c42.jpg) ### Schwimmen – schwerelos sporteln Auch diese Sportart kann Senioren uneingeschränkt empfohlen werden – bei konkreten Gelenkschmerzen fallen lediglich einzelne Schwimmstile ins Wasser beziehungsweise sollten durch andere ersetzt werden. Das Besondere: Im Wasser wird das Körpergewicht um ein Vielfaches aufgehoben. Bedingt durch die Schwerelosigkeit werden die Gelenke geschont und die Muskeln sanft trainiert – und zwar alle großen Muskelgruppen. Schwimmen ist quasi ein Allrounder, denn die Aktivität verbessert Kraft, Ausdauer und Beweglichkeit. Regelmäßiges Training stärkt das Herz-Kreislauf-System, regt den Stoffwechsel an und kann sogar die Cholesterinwerte senken. Es kommt sogar noch besser: Das Immunsystem wird gestärkt, Stress abgebaut und die Koordination verbessert. Von den komplexen Bewegungsabläufen profitieren übrigens auch die kognitiven Fähigkeiten: Studien belegen, dass regelmäßiges Schwimmen das Demenzrisiko senken beziehungsweise einen Demenzverlauf positiv beeinflussen kann. Wer mit sämtlichen Schwimmstilen Schwierigkeiten hat, kann es mit Aqua-Fitness versuchen. ![pexels-pavel-danilyuk-6874403 Online.jpg](https://cwbucket.fra1.digitaloceanspaces.com/pexels_pavel_danilyuk_6874403_Online_a2532ecc8e.jpg) ### Nordic Walking – echter Selbstläufer Die gelenkschonende Alternative zum Joggen gehört wahrscheinlich zu den beliebtesten Best Ager-Sportarten. Kein Wunder: Nordic Walking ist einfach umzusetzen, stärkt die Muskulatur, verbessert die Koordination und Körperhaltung und fördert die Herz-Kreislauf-Gesundheit. Durch den Stockeinsatz wird nicht nur der Bewegungsapparat entlastet, sondern zusätzlich Arm-, Schulter- und Rückenmuskulatur trainiert. Das ursprünglich für finnische Skilangläufer entwickelte Sommertraining reguliert den Blutdruck und trainiert die Herzgefäße: Das Herz wird kräftiger durchblutet und mit Sauerstoff versorgt. Darüber hinaus aktiviert regelmäßige Praxis den Hormonhaushalt, stärkt das Immunsystem und beugt Osteoporose und Altersdiabetes vor. Die koordinierte Bewegung festigt die Balance und fördert die koordinativen Fähigkeiten des Gehirns. Darüber hinaus wirkt sich die Bewegung in der freien Natur positiv auf die Psyche aus: Stress kann abgebaut und depressiven Verstimmungen entgegenwirkt werden. Wer nicht allein walkt, hat auch im sozialen Bereich einen echten Lauf. ![pexels-pack2ride-85580365-8934510 ONLINE.jpg](https://cwbucket.fra1.digitaloceanspaces.com/pexels_pack2ride_85580365_8934510_ONLINE_ca5f7bad72.jpg) ### Radfahren – läuft wie geschmiert Für das Fahrrad ist man im Grunde nie zu alt. Bei moderatem Tempo ist die gelenkschonende Aktivität ein optimales Ausdauertraining, welches das Herz-Kreislauf-System auf sanfte Weise in Schwung bringt. Neben Herz und Lunge werden eine Reihe von Muskelgruppen (insbesondere die Beinmuskulatur) gestärkt. Darüber hinaus kräftigt Radfahren das Immunsystem und beeinflusst das vegetative Nervensystem positiv. Es ist zudem eine herrliche Schulung für Koordination und Gleichgewicht: Eine Studie belegt bei aktiven älteren Fahrradfahrenden weniger Stürze im Alltag. Ein weiteres Plus für Best Ager: Biken trainiert die Gehirnleistung und stärkt kognitive Funktionen. Auch die mentale Gesundheit profitiert, denn die Kombination aus Bewegung und Naturerlebnis wirkt stressabbauend und stimmungsaufhellend. Studien betonen zudem eine Stärkung sozialer Kontakte durch den erweiterten Aktivitätsradius, welche sich ebenfalls positiv auf die Psyche auswirkt.