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3. Jul 2023

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Gesundheit

Ausgebrannt durch Arbeit

Journalist: Jakob Bratsch

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Foto: people/pixabay

Die moderne Arbeitswelt bringt Menschen zunehmend an ihre Belastungsgrenzen. Eine ungesunde Work-Life-Balance oder gar Arbeitssucht endet nicht selten im Burn-out.

38 Prozent der Befragten des Gallup Engagement Index Deutschland gaben 2021 an, sich ausgebrannt zu fühlen. Im selben Jahr zählte die AOK durchschnittlich sechs Arbeitsunfähigkeitsfälle je 1.000 Mitglieder aufgrund einer Burn-out-Diagnose, wie Statista zusammenfasst. Damit hat sich die Diagnosehäufigkeit des Burndown-Syndroms im vergangenen Jahrzehnt eklatant erhöht. Eine Ursache für die drastische Zunahme psychischer Erkrankungen wie Burn-out, Suchterkrankungen, Angstzustände oder Depressionen sehen Experten in der steigenden Komplexität der Arbeitswelt. In Kombination mit hohen Leistungsansprüchen, steigender Arbeitsbelastung sowie einer unscharfen Trennung von Arbeit und Freizeit ist eine gesunde Work-Life-Balance immer schwieriger zu erreichen. 

Wer in der modernen Leistungsgesellschaft mithalten beziehungsweise es zu etwas bringen will, nimmt allzu oft Überstunden in Kauf und vernachlässigt dafür andere Lebensbereiche. Insbesondere Menschen in Führungspositionen verzichten zugunsten einer Karriere nicht selten auf ein erfülltes Privatleben. Wenn jedoch die Arbeit auf Dauer zum wichtigsten Lebensinhalt wird, kann von einem ausgeglichenes Verhältnis von Arbeits- und Privatleben nicht mehr die Rede sein. Laut einer von der Hans-Böckler-Stiftung in Auftrag gegebenen Studie wird Arbeit für jeden zehnten Deutschen gar zu einer zwanghaften Obsession. Arbeitssüchtige häufen immer mehr Überstunden an und werden selbst im späten Feierabend noch von einem schlechtes Gewissen geplagt. Freizeitaktivitäten und Entspannung gelten als Belastung und vergeudete Zeit. Wenn sich im Urlaub gar Entzugserscheinungen einstellen, sollten die Alarmglocken schrillen. Arbeitssüchtige arbeiten exzessiv und pausenlos, getrieben von einem inneren Zwang. Über 80 Stunden Arbeit pro Woche kommen dann in der chronischen Phase der Arbeitssucht nicht selten zusammen. Irgendwann stellt die Arbeit den einzigen Lebenssinn dar. Die Betroffenen betreiben damit Raubbau am ihrem Körper und ihrer Psyche. Arbeitssüchtige leiden unter Panikattacken, Depressionen und akuten Schlafstörungen. Im Extremfall kommt es zu Burn-out, schwerwiegenden Suchterkrankungen oder gar zum Herzinfarkt.

„Ein Burn-out ist das Ende eines langen Entwicklungsprozesses.“

Doch nicht nur Arbeitssucht kann zum Burn-out führen. Dauerhafte Über- oder Unterforderung, extreme Einsatzbereitschaft, ständiger Zeitdruck aber auch Konflikte mit Kollegen münden nicht selten in einem Zustand, in dem nichts mehr geht. Ein dauerhaftes Ungleichgewicht von Anforderungen und persönlichen Bewältigungsmöglichkeiten resultiert in chronischem Stress, der sich selbst weiter verstärkt. Typische Burn-out-Beschwerden sind Erschöpfung, Abgeschlagenheit und erhöhte Anspannung. Allerdings ist ein Burn-out-Syndrom nur das Ende eines langen Entwicklungsprozesses. Die Vorstufen dieser Erschöpfungsreaktion sind beispielsweise eine gesteigerte Arbeitsaktivität bei verminderter Leistungsfähigkeit, Rastlosigkeit, Niedergeschlagenheit, Versagensängste oder Schlafstörungen bis hin zu Symptomen wie Kopfschmerzen, Bluthochdruck, Tinnitus oder Herzstörungen. Werden Warnsignale ignoriert, ist ein Burn-out-Syndrom ohne professionelle Hilfe kaum überwindbar.

Factbox Burn-out
Beim Burn-out-Syndrom handelt sich nicht um eine eigenständige Erkrankung, sondern vielmehr um ein Zusammenwirken mehrerer Beschwerden. Eine genaue wissenschaftliche Definition existiert nicht. Laut der Weltgesundheitsorganisation (WHO) muss Burn-out arbeitsbezogen sein. Experten unterscheiden 12 Phasen eines Burn-outs.

11. Jun 2026

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Gesundheit

Mehr als Sport: Warum Vereine unverzichtbar sind – Ein Beitrag von Thomas Weikert, Präsident des Deutschen Olympischen Sportbundes

Es gibt Orte, an denen Gesellschaft im Kleinen sichtbar wird. Orte, an denen Menschen zusammenkommen, die sich sonst vielleicht nie begegnet wären – weil sie unterschiedliche Lebenswege haben, verschiedenen Altersgruppen angehören, unterschiedlichen Jobs nachgehen oder aus diversen sozialen Kontexten kommen. Diese Orte gibt es in Deutschland zum Glück fast überall, rund 86.000-mal: Es sind unsere Sportvereine. Denn in Deutschland engagieren sich Millionen von Menschen genau hier. Sie trainieren gemeinsam, halten sich fit, knüpfen Freundschaften, organisieren Wettkämpfe, begleiten Kinder und Jugendliche in ihrer Entwicklung und schaffen Strukturen, die weit über das eigentliche Sporttreiben hinausreichen. Sportvereine sind mehr als Orte der Bewegung, sie sind soziale Räume. Sie fördern Zusammenhalt, vermitteln Werte wie Fairness, Respekt und Verlässlichkeit und stärken damit unsere Gesellschaft. Der Vereinssport ist die größte Bürgerbewegung unseres Landes. Mit mehr als 29 Millionen Mitgliedschaften vereint er mehr Mitglieder als der ADAC, als sämtliche politische Parteien, als die Kirchen und – man mag es kaum glauben – mehr, als es Netflix-Abos in Deutschland gibt. Zum zweiten Mal hintereinander haben die Sportvereine unter dem Dach des Deutschen Olympischen Sportbundes 2025 Rekordwerte gefeiert. >Sport verbindet, er hält gesund und bringt uns zusammen. Aber um das tun zu können, braucht er passende Orte, an denen er sein Potenzial entfalten kann. Diese Orte gibt es 86.000-mal in Deutschland, und wir alle sollten sie stärken, indem wir uns einbringen, wo wir können. Gleichzeitig stehen viele dieser Strukturen unter Druck. Ehrenamtliches Engagement wird immer knapper, Sportvereine werden heute mehr als Dienstleister denn als Gemeinschaftsprojekt gesehen. Hallenzeiten fehlen, Bürokratie führt zu Belastungen und finanzielle Ressourcen sind begrenzt. Sportvereine haben es trotz – oder gerade wegen – ihrer vielen Mitglieder nicht leicht. Wir sehen, dass der Wunsch bei sehr vielen Menschen so groß ist wie nie zuvor, etwas Gutes für ihre Gesundheit zu tun; und dass sie das nicht allein tun wollen im Fitnessstudio, beim Joggen im Park oder auf der Yogamatte bei sich zu Hause, sondern dass sie Gemeinschaft suchen im Sportverein um die Ecke. Für wenig Geld im Monat gibt es hier Sport, der Spaß macht, von Trainer:innen geleitet wird, der die Gesundheit fördert und der Menschen zusammenbringt. Auch in diesem Jahr steuern wir wieder auf einen Mitgliederrekord zu. Das sind gute Nachrichten, aber sie führen dazu, dass die bestehenden Probleme – eine stagnierende Zahl an Ehrenamtlichen muss mehr Menschen betreuen, und das in zunehmend maroden Sportstätten – sich noch stärker zeigen. Der gesellschaftliche Wert von Sport entfaltet sich nicht automatisch. Er entsteht dort, wo Menschen sich einbringen. Ein Sportverein ohne Menschen aus seiner Stadt, seinem Dorf, seiner Nachbarschaft, die sich heute engagieren, macht morgen seine Türen zu. Wer im Verein aktiv ist, trägt dazu bei, dass gemeinschaftliches Sporttreiben überhaupt möglich bleibt. Die Frage ist nicht, ob wir Sport brauchen – diese Frage lässt sich leicht mit „Ja“ beantworten. Die Frage ist, wie viele von uns bereit sind, ihn mitzugestalten und mit Leben zu füllen. Ob als Mitglied, als Ehrenamtlicher oder als jemand, der andere mitzieht: Jeder Beitrag zählt. Sportvereine funktionieren nicht von selbst. Sie funktionieren besonders dort gut, wo sie von vielen unterschiedlichen Menschen getragen werden. Sport verbindet, er hält gesund und bringt uns zusammen. Aber um das tun zu können, braucht er passende Orte, an denen er sein Potenzial entfalten kann. Diese Orte gibt es 86.000-mal in Deutschland, und wir alle sollten sie stärken, indem wir uns einbringen, wo wir können.