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21. Dez 2020

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Gesellschaft

BIM – Digitalisierung der Infrastruktur

Building Information Modeling (BIM) wird die Baustellen in Deutschland nachhaltig verändern. Auch wenn die neue Technik noch nicht so eingesetzt wird, das Potential ist da und wird sich weiterentwickeln.

Dr. Veit Appelt, Geschäftsführer der A+S Consult GmbH

In den USA und Australien ist BIM schon länger in der Anwendung. Schon seit vielen Jahren werden dort die Baustellen im Hochbau mit der Hilfe dieser digitalen Technik als ein Projekt abgebildet. Alle am Bau beteiligten Gewerke haben den gleichen Sachstand, können Fortschritte oder auch Fehler in Echtzeit feststellen und unter Umständen auch korrigieren. 

Ab dem Jahr 2021 wird BIM in Deutschland verbindlich. Leider nur für öffentlich ausgeschriebene Großprojekte, aber immerhin. Ein Kostendesaster wie beim Bau des neuen Flughafens in Berlin (BER) oder auch beim Bahnprojekt „Stuttgart 21“ wären mit der BIM – Technologie vermieden worden.

Einige innovative Ingenieurbüros und Architekten haben auch in Deutschland schon früh auf BIM gesetzt. So wird zum Beispiel Deutschlands größte private Baustelle, das Westfield Überseequartier in der Hamburger - Hafencity, ganz konsequent mit der Hilfe vom BIM realisiert.

Dr. Veit Appelt ist einer der BIM Pioniere in Deutschland. Heute ist er BIM-Lehrbeauftragter der TU Dresden, unterrichtet das Thema in der Vorlesungsreihe „BIM in der Verkehrsinfrastruktur.“

„Es gibt bereits verschiedene Universitäten und Hochschulen in Deutschland, die eigene Studiengänge mit Modulen und Lerneinheiten rund um BIM einführten. Die Technische Universität in Dresden selbst war nicht die erste, hat aber als Exzellenzuniversität und mit der größten Verkehrsfakultät in Deutschland in den letzten Jahren sehr stark aufgeholt. In diesem Bereich kooperieren wir zukünftig mit anderen großen Universitäten wie zum Beispiel der TU München in unserem Spezialgebiet Infrastruktur, profitieren gleichzeitig von den Erfahrungen und wissenschaftlichen Erkenntnissen anderer Universitäten und Hochschulen und stellen Unterrichtmaterialien und Lehrpläne gern Dritten zur Verfügung. Wenn Studenten erst einmal in der Lehre mit digitalen Werkzeugen in 5D planen können, entsteht eine ganz andere Motivation Ingenieursberuf auszuüben und den Beruf attraktiver zu machen,“ erklärt Dr. Appelt seine hohe Motivation.

Die A+S Consult GmbH hat sich auf Infrastrukturprojekte spezialisiert. Dabei sollen Eingriffe in die natürliche Um-weltminimiert und die Lärmbeeinträchtigungen reduziert werden. BIM spielt hier eine immer wichtigere Rolle. Die Deutsche Bahn AG arbeitet seit diesem Jahr bei allen neuen Projekten mit BIM und auch die neue Autobahn GmbH des Bundes wird schrittweise auf die digitale Technik umstellen. „Besondere Projekte, an denen unsere Firma mitwirkt, sind die als „Spessartquerung“ bekannte Neubaustrecke Hanau-Würzburg-Fulda oder der Umbau der Verkehrsstation Dortmund. Im Bereich Straße ist ein Beispiel die Kooperation mit der Eurovia und VIA IMC im ÖPP-Projekt A7, sowie im Bereich der Übertragungsnetzbetreiber das Erdkabelprojekt SuedOstLink mit der Firma Arcadis Deutschland GmbH für die 50Hertz Transmission,“ erklärt Appelt die größten Projekte der A+S Consult. 

Doch Dr. Veit Appelt und seine Firma haben in der Zukunft noch mehr vor. Als mittelständisches Unternehmen wollen sie wachsen und die Bedingungen sind gut. Noch erlebt die Baubranche keine nennenswerten Einbrüche durch die Corona-Pandemie. Und es gibt noch weitere Vorteile für ein gesundes Wachstum. „Im Gegensatz zu den Big Playern, mit denen wir uns technologisch auf Augen-höhe sehen, können wir unseren Kunden flexible und maßgeschneiderte Lösungen anbieten. Die Planungs- und Baufirmen, die mit unserer BIM-Plattform KorFin® arbeiten, merken, dass ihre Abläufe dadurch effizient werden und die Kommunikation zwischen allen Projektbeteiligten eine transparente gemeinsame Basis bekommt,“ erklärt der Ingenieur seine Ziele. 

Corona wirkt auch in dieser Branche wie Brandbeschleuniger für die Digitalisierung. Das wird sich in den nächsten Jahren noch verstärken. „BIM darf Projekte nicht komplizierter und komplexer machen, sondern transparenter und einfacher. BIM soll kein Hexenwerk sein, es soll vielmehr technisch anspruchsvolle Inhalte zugänglich machen, wenn Sie so wollen banalisieren. Wir wollen vor allem junge Generation begeistern. Unsere Vision ist BIM auf dem Mobiltelefon, vielleicht noch mit einer AR-Brille,“ wagt Dr. Veit Appelt einen Blick in die Zukunft.

28. Jan 2026

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Wirtschaft

Flexible Aus- und Weiterbildung als Schlüssel zum Erfolg – Ein Beitrag von Prof. Dr. Friedrich Hubert Esser, Präsident des Bundesinstituts für Berufsbildung (BIBB)

Zwischen 2025 und 2029 gehen rund 5,26 Mio. Erwerbstätige in den Ruhestand. Gleichzeitig erwarten wir, dass in diesem Zeitraum nur rund 4,37 Mio. Personen aus dem Bildungssystem oder aus dem Ausland neu auf den inländischen Arbeitsmarkt kommen. Der Ersatzbedarf lässt sich mengenmäßig nicht durch dieses Neuangebot stillen. Die Zahl der Erwerbstätigen wird somit zurückgehen. Zugleich braucht Deutschland dringend Erneuerungen. In unsere Sicherheit und Infrastruktur wird viel investiert werden müssen. In den Gesundheitsberufen wird die Nachfrage steigen, und auch in der IT-Entwicklung dürfen wir nicht zurückbleiben. Um unseren Wohlstand bei einer schwindenden Zahl an Erwerbstätigen auch in den kommenden Jahren zu erhalten, müssen wir technologische Entwicklungen intelligent nutzen. So können Tätigkeiten zum einen automatisiert werden, die bislang von Menschen ausgeübt werden. Zum anderen bieten sie aber auch Raum für neue Tätigkeiten und Geschäftsmodelle. Eine jüngst veröffentlichte Studie des Bundesinstituts für Berufsbildung, des Instituts für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung sowie der Gesellschaft für Wirtschaftliche Strukturforschung zeigt, dass allein die Auswirkungen von Künstlicher Intelligenz (KI) rund 1,6 Mio. Arbeitsplätze betreffen werden. Voraussichtlich werden rund 800.000 Arbeitsplätze in den kommenden 15 Jahren wegen der Nutzung von KI entfallen, während gleichzeitig rund 800.000 neu entstehen. Dieser Strukturwandel lässt sich nicht ohne berufliche Aus- und Weiterbildung bestreiten. >Um unseren Wohlstand bei einer schwindenden Zahl an Erwerbstätigen auch in den kommenden Jahren zu erhalten, müssen wir technologische Entwicklungen intelligent nutzen. Der Digitalisierung folgt der verstärkte Einsatz von KI, der abstrakte Klimawandel wird greifbar durch Flut- und Dürrekatastrophen, die demografische Entwicklung führt zu anderen Arbeitsmodellen und längeren Arbeitsphasen. Berufliche Qualifikationen bereiten uns im besten Fall darauf vor, auf Unvorhergesehenes zu reagieren. So eröffnen die 327 Ausbildungsberufe des dualen Systems die Möglichkeit, flexibel in einer Fülle von Erwerbsberufen tätig zu werden. Voraussetzung hierfür ist, dass exemplarisch in ausreichender fachlich-methodischer Breite und Tiefe gelernt wird und die für die Transformation notwendigen Schlüsselkompetenzen vermittelt werden. Zentral sind hier Transfer- und Problemlösefähigkeit, Kreativität sowie soziale und personale Kompetenzen. Wichtig ist aber auch, Menschen ohne Ausbildung durch die Nutzung abschlussorientierter Konzepte – wie zum Beispiel Teilqualifikationen oder Validierungsverfahren – für die Herausforderungen des Arbeitsmarkts der Zukunft zu befähigen. Vor dem Hintergrund des beschleunigten Strukturwandels leistet vor allem auch die berufliche Weiterbildung einen wichtigen Beitrag zur Fachkräftesicherung. Sie schafft individuelle Entwicklungsmöglichkeiten für die Beschäftigten. Deshalb müssen wir die formale Weiterbildung durch gezielte Flexibilisierung, Modularisierung und „Dualisierung“ – also die Verknüpfung von systematischem Lernen mit praktischer Anwendung am Arbeitsplatz – attraktiver gestalten und stärker mit non-formalen Angeboten verknüpfen. So kann es gelingen, möglichst viele Menschen für Weiterbildung zu gewinnen. Denn es ist arbeitsmarkt- und gesellschaftspolitisch nicht akzeptabel, große Bevölkerungsgruppen vom Arbeitsmarkt ausgeschlossen zu lassen. Die Attraktivität und Individualisierung der Weiterbildungsformate sind hier entscheidend.