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30. Dez 2024

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Gesundheit

„Eine echte Scheiß-Krankheit“ – mit Karina Spiess

Journalist: Kirsten Schwieger

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Foto: Presse

Wie die Hamburgerin Karina Spiess seit zehn Jahren mit dem Reizdarmsyndrom lebt, anderen Betroffenen Mut macht und die Krankheit mit Humor enttabuisieren will.

Wie lange nach dem Auftreten der ersten Symptome hattest du die Diagnose Reizdarm? Bei mir gingen die Symptome mit 15 los, während eines Auslandsjahres in den USA. Ich war in einer Gastfamilie, in der ich mich überhaupt nicht wohl gefühlt habe. Nach dem Wechsel der Familie und einem Virusinfekt gingen dann die Symptome los. Es war, als könne mein Körper endlich loslassen. Ein halbes Jahr wurden viele verschiedene Tests gemacht, zuletzt im Rahmen einer Krankenhauswoche. Dort habe ich dann die Diagnose Reizdarm bekommen.

Welche Symptome treten bei dir auf, und was hilft dir am besten? Bis heute habe ich fast täglich von jetzt auf gleich starke Bauchkrämpfe. Ich konnte nie festmachen, wo und wann. Ich merke dann direkt, das ich Durchfall bekomme und sofort auf die Toilette muss. Nach dem Toilettengang geht es mir besser – er ist aber auch das Einzige, was Abhilfe schafft. Das erschwert natürlich meinen Alltag ungemein, weil ich gar nicht planen kann und eigentlich immer eine Toilette in der Nähe brauche. Bis heute habe ich leider keine andere Linderung gefunden. Deswegen bin ich immer noch dran, bei ganz vielen Ärztinnen und Ärzten weiter zu prüfen, was da los sein könnte.

Verzichtest du auf bestimmte Nahrungsmittel oder hast deine Ernährung umgestellt? Ich habe sehr viele Ernährungsumstellungen gemacht, konnte aber nie festmachen, bei welchen Lebensmitteln es schlimmer wurde – außer bei sehr fettigen Nahrungsmitteln. Darauf verzichte ich jetzt, sowie auf Milch, weil ich eine Laktoseintoleranz habe. Ein bisschen Käse kann ich aber essen. Ich versuche mich darmgesund zu ernähren, also mit viel Gemüse und Fermentiertem, seit ich die tolle Doku „Hack your Health“ auf Netflix gesehen habe.

Gibt es einen Zusammenhang mit Stress bei dir? Ja, wie gesagt fing es mit dem Stress in der Gastfamilie an. Als ich dann die Symptome hatte, war alles Stress für mich: Hundespaziergänge, Shoppen gehen oder in ein Café. Stress verstärkt natürlich die Symptome extrem. Es ist ein Teufelskreis, man kommt nicht raus. Nur zu Hause oder bei Freunden ist es stressfrei für mich, da ist mein Safe Space. Durch den stressigen Alltag habe ich mit der Zeit eine Angststörung entwickelt, die sich in der Coronazeit noch verstärkt hat. Seit gut zwei Jahren bin ich deswegen in Therapie.

Wie geht es dir damit? Wir arbeiten konkret an der Angststörung. Ich mache gute Fortschritte, aber es ist ein immens hoher Kraftaufwand, sich seinen Ängsten zu stellen. Es ist schon ein bisschen besser geworden, nicht mehr jeder Gang nach draußen ist mit Ängsten verbunden. Neben der Angst, es nicht rechtzeitig auf die Toilette zu schaffen, habe ich das Vertrauen in meinen Körper verloren. Am Anfang war es lediglich der Darm, aber nach und nach hat es sich immer weiter ausgedehnt, beispielsweise die Angst vor einem Herzinfarkt, wenn ich Herzrasen habe. Die Erfahrung, dass die Ärzteschaft einem nicht helfen kann, ist wirklich sehr angsteinflößend.

Hast du es auch mal mit Hypnose versucht? Ja, habe ich tatsächlich. Meine Therapeutin bietet das an, und es hat tatsächlich etwas geholfen. Also mich nicht geheilt, aber bei bestimmten Gefühlen war die Hypnose hilfreich, auch noch ein paar Wochen später. Ich werde das auf jeden Fall wiederholen.

Welche Lektüre empfiehlst du (außer deinen beiden eigenen Büchern)? Keine speziellen Reizdarm-Bücher, aber „Darm mit Charme“ fand ich sehr hilfreich. Im Gegensatz zu meinem Buch „Scheiß-Angst“ ist mein zweites Buch keine Lektüre, sondern eine strukturierte Vorlage für ein Darmtagebuch. Es muss nicht zwingend mein Buch sein, aber ein Symptom- und Ernährungstagebuch zu führen macht wirklich Sinn. Ich mache das heute noch, wenn ich etwas Neues einführe.

Was empfiehlst du anderen Betroffenen? Grundsätzlich empfehle ich dranzubleiben! Im Zweifel noch mal die Ärztin oder den Arzt zu wechseln, bei anderen Spezialisten nachzufragen, selbst zu recherchieren. Auf keinen Fall die Hoffnung aufgeben – es wird noch so viel geforscht. Im Umgang mit anderen empfehle ich auf jeden Fall offene Kommunikation. Die hilft extrem gut bei Schamgefühlen, die im sozialen Leben immer auftauchen, weil das Thema Stuhlgang sehr schambehaftet ist. Insbesondere Freunden, dem Partner oder der Partnerin gegenüber ist offene Kommunikation auch nur fair, da mein Reizdarm ja auch deren Leben beeinflusst.

Aber beim ersten oder zweiten Date platzt man damit wahrscheinlich noch nicht raus, oder? Man kann ja schon mal etwas vorfühlen. Sich mitteilen, dass man aufgeregt ist. Manchmal kommt das dann ja schon im Gespräch. Ich persönlich habe einen Monat lang rumgeeiert, viel zu lange.

Heute hast du als selbsternannte „Kackfluencerin“ eine Mission, richtig? Ja, ich möchte mit meiner Arbeit anderen Betroffenen vor allem das Gefühl geben, dass sie mit der Krankheit nicht allein sind. Ich möchte das Thema Stuhlgang, pupsen und alles, was damit zusammenhängt, enttabuisieren. Denn es ist eigentlich das Normalste der Welt. Vor allem bei Frauen ist es aber ein Riesenthema, bei dem noch viel Aufklärungsarbeit nötig ist. Dies mit Humor zu tun, ist mein Weg.

29. Dez 2025

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Gesundheit

Gesund & Aktiv im Alter

### Pilates – tiefenwirksame Praxis Ideal für Best Ager: Das sanfte, gelenkschonende Ganzkörpertraining kann nicht nur mit eingeschränkter Beweglichkeit praktiziert werden, sondern wirkt auch altersbedingten Beschwerden entgegen. In jeder Pilates-Stunde werden neben Muskelkraft, Stabilität und Mobilität auch Koordination und Gleichgewicht trainiert. Die Übungen lassen sich im Sitzen, Stehen oder Liegen durchführen und werden an Fitnesslevel und Leistungsstand angepasst. Es werden dabei gezielt die tiefliegenden Muskeln in Bauch, Rücken und Beckenboden angesprochen – jene Muskulatur, die für Stabilität, Gleichgewicht und Sturzprävention wichtig ist. Regelmäßiges Training sorgt so für erhöhte Beweglichkeit, eine verbesserte Körperhaltung und Balance und kann sogar dauerhaft den Blutdruck senken. Um die richtige Atemtechnik zu erlernen, sollte unbedingt ein Einstiegskurs in dieser Altersgruppe besucht werden. Bei körperlichen Einschränkungen finden sich unter den rund 500 unterschiedlichen Bewegungsmuster immer genügend Ausweichübungen. ![pexels-roodzn-34314432 ONLINE.jpg](https://cwbucket.fra1.digitaloceanspaces.com/pexels_roodzn_34314432_ONLINE_01d8168c42.jpg) ### Schwimmen – schwerelos sporteln Auch diese Sportart kann Senioren uneingeschränkt empfohlen werden – bei konkreten Gelenkschmerzen fallen lediglich einzelne Schwimmstile ins Wasser beziehungsweise sollten durch andere ersetzt werden. Das Besondere: Im Wasser wird das Körpergewicht um ein Vielfaches aufgehoben. Bedingt durch die Schwerelosigkeit werden die Gelenke geschont und die Muskeln sanft trainiert – und zwar alle großen Muskelgruppen. Schwimmen ist quasi ein Allrounder, denn die Aktivität verbessert Kraft, Ausdauer und Beweglichkeit. Regelmäßiges Training stärkt das Herz-Kreislauf-System, regt den Stoffwechsel an und kann sogar die Cholesterinwerte senken. Es kommt sogar noch besser: Das Immunsystem wird gestärkt, Stress abgebaut und die Koordination verbessert. Von den komplexen Bewegungsabläufen profitieren übrigens auch die kognitiven Fähigkeiten: Studien belegen, dass regelmäßiges Schwimmen das Demenzrisiko senken beziehungsweise einen Demenzverlauf positiv beeinflussen kann. Wer mit sämtlichen Schwimmstilen Schwierigkeiten hat, kann es mit Aqua-Fitness versuchen. ![pexels-pavel-danilyuk-6874403 Online.jpg](https://cwbucket.fra1.digitaloceanspaces.com/pexels_pavel_danilyuk_6874403_Online_a2532ecc8e.jpg) ### Nordic Walking – echter Selbstläufer Die gelenkschonende Alternative zum Joggen gehört wahrscheinlich zu den beliebtesten Best Ager-Sportarten. Kein Wunder: Nordic Walking ist einfach umzusetzen, stärkt die Muskulatur, verbessert die Koordination und Körperhaltung und fördert die Herz-Kreislauf-Gesundheit. Durch den Stockeinsatz wird nicht nur der Bewegungsapparat entlastet, sondern zusätzlich Arm-, Schulter- und Rückenmuskulatur trainiert. Das ursprünglich für finnische Skilangläufer entwickelte Sommertraining reguliert den Blutdruck und trainiert die Herzgefäße: Das Herz wird kräftiger durchblutet und mit Sauerstoff versorgt. Darüber hinaus aktiviert regelmäßige Praxis den Hormonhaushalt, stärkt das Immunsystem und beugt Osteoporose und Altersdiabetes vor. Die koordinierte Bewegung festigt die Balance und fördert die koordinativen Fähigkeiten des Gehirns. Darüber hinaus wirkt sich die Bewegung in der freien Natur positiv auf die Psyche aus: Stress kann abgebaut und depressiven Verstimmungen entgegenwirkt werden. Wer nicht allein walkt, hat auch im sozialen Bereich einen echten Lauf. ![pexels-pack2ride-85580365-8934510 ONLINE.jpg](https://cwbucket.fra1.digitaloceanspaces.com/pexels_pack2ride_85580365_8934510_ONLINE_ca5f7bad72.jpg) ### Radfahren – läuft wie geschmiert Für das Fahrrad ist man im Grunde nie zu alt. Bei moderatem Tempo ist die gelenkschonende Aktivität ein optimales Ausdauertraining, welches das Herz-Kreislauf-System auf sanfte Weise in Schwung bringt. Neben Herz und Lunge werden eine Reihe von Muskelgruppen (insbesondere die Beinmuskulatur) gestärkt. Darüber hinaus kräftigt Radfahren das Immunsystem und beeinflusst das vegetative Nervensystem positiv. Es ist zudem eine herrliche Schulung für Koordination und Gleichgewicht: Eine Studie belegt bei aktiven älteren Fahrradfahrenden weniger Stürze im Alltag. Ein weiteres Plus für Best Ager: Biken trainiert die Gehirnleistung und stärkt kognitive Funktionen. Auch die mentale Gesundheit profitiert, denn die Kombination aus Bewegung und Naturerlebnis wirkt stressabbauend und stimmungsaufhellend. Studien betonen zudem eine Stärkung sozialer Kontakte durch den erweiterten Aktivitätsradius, welche sich ebenfalls positiv auf die Psyche auswirkt.