Diesen Artikel teilen:

19. Sep 2025

|

Gesundheit

Kinderwunsch: Wenn das Warten zur Qual wird

Journalist: Chan Sidki-Lundius

|

Foto: Timur Weber/pexels

Unfruchtbarkeit sollte kein Grund für Scham und Schuldgefühle sein. Betroffene Paare sind gut damit beraten, sich Unterstützung zu holen.

Bangen, hoffen, warten, verzweifeln: Das haben Ben und Laura S. hinter sich. Vier Jahre versuchten sie, auf natürlichem Weg ein Kind zu bekommen. Der damit verbundene Stress und die Trauer lassen sich nur schwer nachempfinden. Voller Hoffnung wandten sie sich dann an eine Kinderwunschklinik. Auch da gelang es den Spezialistinnen nicht, eine Schwangerschaft herbeizuführen. Die niederschmetternde Diagnose: Trotz mehrerer Behandlungszyklen waren Bens Spermien nicht in der Lage, die Eizelle erfolgreich zu befruchten. Doch das Schicksal meinte es gut mit Ben und Laura. Nach sechs Jahren qualvollen Wartens konnten sie einen kleinen Jungen adoptieren, er machte ihr Familienglück perfekt.

Unfruchtbarkeit betrifft Männer und Frauen gleichermaßen. Dass es sich dabei um ein reines „Frauenproblem“ handelt, ist ein Mythos, der sich noch immer hält. Tatsächlich sind etwa ein Drittel der Fruchtbarkeitsstörungen auf männliche Faktoren zurückzuführen, ein Drittel auf weibliche Faktoren und ein Drittel ist ungeklärt oder betrifft sowohl den Mann als auch die Frau. In Deutschland erlebt etwa jedes siebte Paar eine Zeit, in der sich der Kinderwunsch nicht erfüllt. Da werden Zyklen beobachtet, Tests gemacht, Ärzte konsultiert. Sexualität wird zum Pflichtprogramm, der innere Druck und Stress nehmen zu. Und mit jedem Monat steigt die Hoffnung – oder das Maß der Enttäuschung. Die Welt rundherum dreht sich dennoch weiter. Freundinnen erzählen von ihren Schwangerschaften, Geburten und Babys. Draußen und in den Cafés scheinen nur Eltern mit ihren Kids unterwegs zu sein. Im Supermarkt ist es schwer, an den Regalen voller Babyprodukte vorbeizukommen. Während andere das Familienglück leben, fühlen sich Betroffene außen vor.

Das Eingeständnis, dass das Projekt Familie sich nicht wie erwartet realisieren lässt, kann schmerzhaft sein.

Das Eingeständnis, dass das Projekt Familie sich nicht wie erwartet realisieren lässt, kann schmerzhaft sein. Zu den unter Fachleuten bekannten seelischen Beeinträchtigungen gehören eine Minderung des Selbstvertrauens, Kontroll- und Kompetenzverlust, Depressionen, Angst und Anspannung, besonders beim Abwarten von Behandlungserfolgen. Dazu kommen oftmals Gefühle von Scham und Schuld. „Ich habe mich von meinem Körper im Stich gelassen gefühlt, damit bin ich lange nicht klargekommen“, so die Erfahrung von Ben. „Gesellschaftliche Erwartungen, Stigmatisierung und unausgesprochene Tabus haben mit Sicherheit auch eine große Rolle gespielt. Das haben uns andere kinderlose Paare mehrfach bestätigt.“

Vor diesem Hintergrund ist es ein mutiger Schritt, wenn Paare psychologische Begleitung und professionelle medizinische Hilfe für eine erfolgreiche Empfängnis in Anspruch nehmen. Dank der modernen Reproduktionsmedizin gibt es heute viele Wege, schwanger zu werden. Eine wichtige Rolle auf der Kinderwunschreise kommt aber auch dem Austausch mit Freunden und Familienmitgliedern zu. Sie sollten dem betroffenen Paar das Angebot machen, über die eigenen Wünsche, Sorgen und Ängste zu sprechen. „Das Verständnis und die praktische wie emotionale Unterstützung, die wir durch unser privates Umfeld erhalten haben, hat uns sehr geholfen“, berichtet Laura. „Außerdem haben wir zu unserem Erstaunen auch sehr viele Gleichgesinnte gefunden. Dass es so viele Paare gibt, bei denen es mit einem Kind nicht wirklich einfach klappt, hätten wir nie erwartet.“

Dank der modernen Reproduktionsmedizin gibt es heute viele Wege, schwanger zu werden.

29. Dez 2025

|

Gesundheit

Gesund & Aktiv im Alter

### Pilates – tiefenwirksame Praxis Ideal für Best Ager: Das sanfte, gelenkschonende Ganzkörpertraining kann nicht nur mit eingeschränkter Beweglichkeit praktiziert werden, sondern wirkt auch altersbedingten Beschwerden entgegen. In jeder Pilates-Stunde werden neben Muskelkraft, Stabilität und Mobilität auch Koordination und Gleichgewicht trainiert. Die Übungen lassen sich im Sitzen, Stehen oder Liegen durchführen und werden an Fitnesslevel und Leistungsstand angepasst. Es werden dabei gezielt die tiefliegenden Muskeln in Bauch, Rücken und Beckenboden angesprochen – jene Muskulatur, die für Stabilität, Gleichgewicht und Sturzprävention wichtig ist. Regelmäßiges Training sorgt so für erhöhte Beweglichkeit, eine verbesserte Körperhaltung und Balance und kann sogar dauerhaft den Blutdruck senken. Um die richtige Atemtechnik zu erlernen, sollte unbedingt ein Einstiegskurs in dieser Altersgruppe besucht werden. Bei körperlichen Einschränkungen finden sich unter den rund 500 unterschiedlichen Bewegungsmuster immer genügend Ausweichübungen. ![pexels-roodzn-34314432 ONLINE.jpg](https://cwbucket.fra1.digitaloceanspaces.com/pexels_roodzn_34314432_ONLINE_01d8168c42.jpg) ### Schwimmen – schwerelos sporteln Auch diese Sportart kann Senioren uneingeschränkt empfohlen werden – bei konkreten Gelenkschmerzen fallen lediglich einzelne Schwimmstile ins Wasser beziehungsweise sollten durch andere ersetzt werden. Das Besondere: Im Wasser wird das Körpergewicht um ein Vielfaches aufgehoben. Bedingt durch die Schwerelosigkeit werden die Gelenke geschont und die Muskeln sanft trainiert – und zwar alle großen Muskelgruppen. Schwimmen ist quasi ein Allrounder, denn die Aktivität verbessert Kraft, Ausdauer und Beweglichkeit. Regelmäßiges Training stärkt das Herz-Kreislauf-System, regt den Stoffwechsel an und kann sogar die Cholesterinwerte senken. Es kommt sogar noch besser: Das Immunsystem wird gestärkt, Stress abgebaut und die Koordination verbessert. Von den komplexen Bewegungsabläufen profitieren übrigens auch die kognitiven Fähigkeiten: Studien belegen, dass regelmäßiges Schwimmen das Demenzrisiko senken beziehungsweise einen Demenzverlauf positiv beeinflussen kann. Wer mit sämtlichen Schwimmstilen Schwierigkeiten hat, kann es mit Aqua-Fitness versuchen. ![pexels-pavel-danilyuk-6874403 Online.jpg](https://cwbucket.fra1.digitaloceanspaces.com/pexels_pavel_danilyuk_6874403_Online_a2532ecc8e.jpg) ### Nordic Walking – echter Selbstläufer Die gelenkschonende Alternative zum Joggen gehört wahrscheinlich zu den beliebtesten Best Ager-Sportarten. Kein Wunder: Nordic Walking ist einfach umzusetzen, stärkt die Muskulatur, verbessert die Koordination und Körperhaltung und fördert die Herz-Kreislauf-Gesundheit. Durch den Stockeinsatz wird nicht nur der Bewegungsapparat entlastet, sondern zusätzlich Arm-, Schulter- und Rückenmuskulatur trainiert. Das ursprünglich für finnische Skilangläufer entwickelte Sommertraining reguliert den Blutdruck und trainiert die Herzgefäße: Das Herz wird kräftiger durchblutet und mit Sauerstoff versorgt. Darüber hinaus aktiviert regelmäßige Praxis den Hormonhaushalt, stärkt das Immunsystem und beugt Osteoporose und Altersdiabetes vor. Die koordinierte Bewegung festigt die Balance und fördert die koordinativen Fähigkeiten des Gehirns. Darüber hinaus wirkt sich die Bewegung in der freien Natur positiv auf die Psyche aus: Stress kann abgebaut und depressiven Verstimmungen entgegenwirkt werden. Wer nicht allein walkt, hat auch im sozialen Bereich einen echten Lauf. ![pexels-pack2ride-85580365-8934510 ONLINE.jpg](https://cwbucket.fra1.digitaloceanspaces.com/pexels_pack2ride_85580365_8934510_ONLINE_ca5f7bad72.jpg) ### Radfahren – läuft wie geschmiert Für das Fahrrad ist man im Grunde nie zu alt. Bei moderatem Tempo ist die gelenkschonende Aktivität ein optimales Ausdauertraining, welches das Herz-Kreislauf-System auf sanfte Weise in Schwung bringt. Neben Herz und Lunge werden eine Reihe von Muskelgruppen (insbesondere die Beinmuskulatur) gestärkt. Darüber hinaus kräftigt Radfahren das Immunsystem und beeinflusst das vegetative Nervensystem positiv. Es ist zudem eine herrliche Schulung für Koordination und Gleichgewicht: Eine Studie belegt bei aktiven älteren Fahrradfahrenden weniger Stürze im Alltag. Ein weiteres Plus für Best Ager: Biken trainiert die Gehirnleistung und stärkt kognitive Funktionen. Auch die mentale Gesundheit profitiert, denn die Kombination aus Bewegung und Naturerlebnis wirkt stressabbauend und stimmungsaufhellend. Studien betonen zudem eine Stärkung sozialer Kontakte durch den erweiterten Aktivitätsradius, welche sich ebenfalls positiv auf die Psyche auswirkt.