Diesen Artikel teilen:

14. Mär 2022

|

Gesundheit

Mit Bewegung gegen Rückenschmerzen

Journalist: Chan Sidki-Lundius

|

Foto: Sebastian Bahr, Alexandra Tan/unsplash

Prof. Dr. Ingo Froböse, Universitätsprofessor an der Deutschen Sporthochschule Köln und Buchautor, gehört zu den Top-Rückenschmerz- Experten in Deutschland. Wir haben mit ihm darüber gesprochen, was man gegen durch Büroarbeit bedingte Rückenschmerzen tun kann.

ingo-froboese-2foto-sebastian-bahr-2.jpg

Prof. Dr. Ingo Froböse, Universitätsprofessor an der Deutschen Sporthochschule Köln und Buchautor

Rund 80 Prozent der Deutschen leiden irgendwann in ihrem Leben unter Rückenschmerzen. Was sind die Hauptursachen?

Rückenschmerzen bedeuten kein unabänderliches Schicksal. In etwa 95 Prozent der Fälle ist Bewegungsmangel und damit verbunden eine motorische Unterforderung die Hauptursache. Bewegungsmangel ist Gift für unseren Rücken! Vor allem Menschen, die viel am Schreibtisch sitzen, ob im Homeoffice oder an ihrer Arbeitsstätte, sind von Rückenschmerzen

betroffen.

Welche Tipps haben Sie für Schreibtischtäter?

Sie sollten im Arbeitsalltag für Phasen der Be- und Entlastung sorgen. Es ist so leicht, zwischendurch immer mal wieder herumzulaufen, zum Beispiel beim Telefonieren, oder auch zeitweise im Stehen zu arbeiten – oder regelmäßig die Position im Sitzen zu wechseln. Ferner ist es ratsam, in den Büroalltag kleine gezielte Übungen einzubauen.

Welche Übungen bieten sich an?

Ist die Muskulatur im Schulterbereich verspannt, regelmäßig die Arme kreisen lassen oder auch mal die Schultern hochziehen und dann wieder fallenlassen. Bei Schmerzen im Brustbereich der Wirbelsäule hat es sich bewährt, etwas dafür zu tun, die Beweglichkeit zu erhalten. Zum Beispiel, indem der Oberkörper rotiert, auch regelmäßiges Bücken und Strecken sind probate Übungen. Die Lendenwirbelsäule bereitet am häufigsten Probleme. Hier helfen asymmetrische Bewegungsabläufe wie beim Walken, Laufen und Kraulen, weil sie die besonders kleinen Muskeln im Bereich der Lendenwirbelsäule trainieren und damit diesen Bereich stabilisieren.

Haben Sie eine Lieblingsübung?

Ja, das ist der Hacker, für einen gesunden Rücken die ideale Übung, quasi eine Vollkaskoversicherung. Die Arme sind im rechten Winkel an den Oberkörper angelehnt. Die Unterarme hacken wechselseitig rauf und runter. Wiederholen Sie die Übung etwa dreimal 30 Sekunden, dabei schneller werden. Die Übung kann im Stehen oder Sitzen erfolgen, am besten zweimal pro Tag. Wer es anstrengender mag, macht den Hacker mit ausgestreckten Armen.

Was halten Sie von präventiven Maßnahmen, um Rückenbeschwerden gar nicht erst entstehen zu lassen?

Sehr viel. Ich empfehle, mindestens zweimal pro Woche, gezielt den Bauch und den Rücken zu trainieren. Das müssen gar keine großen Belastungen sein. Gerätetraining ist gut oder auch Kurse wie Bauch, Beine, Po & Co. Die Muskelgruppen verbessern sich infolge eines gezielten Trainings bereits nach vier bis sechs Wochen. Die Faszien und Gelenke brauchen teilweise bis zu sechs Monate, um sich an größere Herausforderungen zu gewöhnen. Ansonsten ist es ratsam, sich im Alltag viel zu bewegen und m glichst viele Schritte zu sammeln. Wer damit anfängt, wird schnell merken: eine solche Lebensveränderung ist gar nicht mal so schwer umzusetzen.

Wenn der Rücken schmerzt: Was ist zu tun?

In jedem Fall sollte man den Rücken nicht in Watte packen, wenn er schmerzt. Grundsätzlich würde ich bei Rückenschmerzen drei Tage warten, mir Wärme gönnen und vielleicht ein leichtes Schmerzmedikament nehmen. Oftmals kommen und gehen Rückenschmerzen wie ein Schnupfen. Treten jedoch Taubheits- oder Lähmungsgefühle in Fingern, Armen oder Beinen oder ein beklemmendes Gefühl in der Brust auf, ist unverzüglich medizinischer Rat einzuholen.

25. Jun 2026

|

Gesundheit

Mit Datennutzung und Innovationen zur Smarten Gesundheitsversorgung –Ein Beitrag von Dr. Marc-Pierre Möll, Geschäftsführer und Vorstandsmitglied BVMed – Bundesverband Medizintechnologie

Denn moderne Medizintechnik liefert genau das, was eine smarte Gesundheitsversorgung braucht: Kontinuierlich verfügbare Daten, intelligente Vernetzung und KI-gestützte Lösungen, die neue Versorgungswege ermöglichen. Unser Problem in Deutschland ist: sektorale Strukturen, tradierte Vergütungssysteme und uneinheitliche Vorgaben bremsen die digitale Transformation bislang aus. Was muss getan werden? Wir müssen Daten besser verfügbar machen. Wir müssen internationale Standards für Datenformate und -sicherheit verwenden. Wir müssen digitale Versorgung besser etablieren. Wir müssen digitale Versorgungspfade umsetzen. Die Nutzung von Daten ist das Kernelement, das digitale Versorgung in allen Sektoren und Situationen kennzeichnet. Dabei kann die Nutzung der Daten sehr verschieden gestaltet sein. Beispiele sind: - die Steuerung von Patientenpfaden anhand von aktuellen Daten und Informationen aus der Patientenhistorie, - das permanente Monitoring des Gesundheitszustandes anhand von kontinuierlich erhobenen Daten aus Sensoren oder anderen Messgeräten, - das situationsbezogene Management anhand von Alarmen bzw. Meldungen, - die Nutzung von Daten für die Weiterentwicklung von Produkten und Services sowie für Training, Validierung und Einsatz von KI, - die Nutzung von Daten für Digital Twin-Ansätze oder - die Nutzung von Daten für Training, Schulung, Weiterbildung. Wichtig ist, dass die erforderlichen Daten in der Versorgung zur richtigen Zeit und am richtigen Ort verfügbar sind, ein nutzbares Format haben oder über eine Schnittstelle genutzt werden können und die Rahmenbedingungen für die Datennutzung klar sind. **Aus Sicht der MedTech-Branche fordern wir:** - In einem neuen Primärversorgungssystem sollte die digitale Ersteinschätzung so entwickelt werden, dass künftig auch Echtzeitdaten für eine valide Ersteinschätzung genutzt werden können. - Für „Digital Twin-Technologien“ sollten pseudonymisierte Behandlungsdaten nutzbar gemacht werden. Denn Simulationen anhand von vorhandenem Bildmaterial können invasive Diagnostik verhindern oder Therapieschritte vorbereiten. - Das Einwilligungsmanagement zur Datennutzung im Behandlungsablauf sollte bundesweit vereinheitlicht werden und auf einer einheitlichen Interpretation der europäischen Datenschutz-Grundverordnung (DSGVO) basieren. - Für die Verbesserung von Produkten und Services braucht die Industrie Zugang zu Gesundheitsdaten und teilt selbst auch ihre Daten. Dabei sind allerdings IP-Rechte zu beachten, gerade bei Medizinprodukten. - Unser Appell: Smarte Gesundheitsversorgung entsteht nicht durch einzelne Innovationen, sondern durch das Zusammenspiel von Daten, Vernetzung und KI. Die Zukunft der Versorgung ist möglich – jetzt muss das System folgen. ## Zum Autor: Dr. Marc-Pierre Möll ist seit April 2019 Geschäftsführer des Bundesverbandes Medizintechnologie e. V. in Berlin sowie Geschäftsführer der BVMed-Akademie. Er ist zudem Mitglied des BVMed-Vorstands.