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19. Sep 2025

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Gesundheit

Raus aus der Ohnmacht – mit Dr. Petra Thorn

Journalist: Kirsten Schwieger

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Foto: RDNE Sock project/pexels

Interview mit der Kinderwunschexpertin Dr. Petra Thorn über die Belastungsprobe unerfüllter Kinderwunsch und den Segen psychosozialer Begleitung.

Petra Thorn_online.jpg Dr. Petra Thorn, Sozialarbeiterin, Sozialtherapeutin, Familientherapeutin DGSF

Frau Dr. Thorn, welche psychischen Belastungen gehen mit unerfülltem Kinderwunsch einher?

Unerfüllter Kinderwunsch ist eine existenzielle Krise und eine große emotionale Belastung. Viele Paare fühlen sich stigmatisiert, haben Vorbehalte, darüber zu sprechen und ziehen sich sozial zurück – während im Freundeskreis der normale Lebensverlauf mit Elternschaft meist weitergeht. Auch Neid spielt oft eine Rolle: Für viele Paare ist es manchmal kaum erträglich, mit Eltern oder schwangeren Frauen konfrontiert zu werden. Dazu kommt dieses große Paket aus Ohnmacht, Hilflosigkeit und Selbstwertzweifel: „Bin ich überhaupt eine richtige Frau oder ein richtiger Mann? Und nicht zu vergessen die Trauer für ein sogenanntes „Nicht-Thema“, ähnlich wie bei Fehlgeburten. Als wäre das noch nicht genug, quält sich der Diagnoseträger oft mit Schuldgefühlen.

Was macht das mit der Beziehung?

Diese emotionale Achterbahnfahrt ist Stress pur und oft Ausgangspunkt von Disharmonie oder Streitigkeiten. Dazu kommen unterschiedliche Bewältigungsstrategien. Während Frauen sehr viel darüber sprechen wollen, verarbeiten Männer diese Krise, indem sie aktiv werden. Besonders frustrierend ist dann, dass Männer hierbei in eine Hilflosigkeit gedrängt werden, da sie meist nur ihren Samen geben können: Rund 90 Prozent der medizinischen Behandlungen werden am Körper der Frau durchgeführt. Bei diesem Stress wundert es nicht, dass es bei rund 60 Prozent der Paare zu sexuellen Schwierigkeiten kommt.

Stichwort Behandlungen: Wie steht es um die körperliche Belastung?

Das ist ganz spannend: Die meisten Frauen sagen rückwirkend, dass sie sowohl die erste, aber auch weitere Behandlungen, körperlich viel besser weggesteckt haben als befürchtet. Dafür waren diese emotional viel schwieriger als angenommen. Wobei die Emotionen im Laufe der Zeit immer heftiger werden, weil der emotionale – wie auch der finanzielle – Druck steigen. Kommen dann noch Fehlgeburten ins Spiel, sind weitere Schwangerschaften mit noch mehr Ängsten verbunden.

Wie entlastet psychosoziale Begleitung?

Wir beraten umfassend zur Familienbildung mit den verschiedenen Behandlungsmöglichkeiten und bieten Begleitung bei Fehl- und Totgeburt. Wir machen aber keine Psychotherapie. Ich habe zu 90 Prozent Paarberatung im Rahmen des Kinderwunsches – das ist auch sinnvoll so. Die meisten Paare kommen, nachdem mehrere Behandlungen nicht erfolgreich waren. Wir würden uns allerdings wünschen, dass die Beratung sehr viel früher – idealerweise schon vor der ersten medizinischen Behandlung – einsetzt, um bereits im Vorfeld alle Optionen breit gefächert diskutieren zu können.

Warum ist das sinnvoll?

Es ist wichtig, zu allen Behandlungsmöglichkeiten eine Haltung und auch eine Strategie zu entwickeln. Zum Beispiel, ob man sich über die deutsche Gesetzeslage hinwegsetzen will, um eine Eizellenspende im Ausland zu machen. Mit dieser Form der Familienbildung sind die psychologischen Fragen nochmal auf einer ganz anderen Ebene. Ich unterstütze Eltern auch bei der Aufklärung ihrer Wunschkinder nach Samen- oder Eizellspende. Neben dem Durchspielen möglicher Optionen ist es sehr wichtig, möglichst frühzeitig schon einen Plan B zu haben. Zu wissen, dass auch Adoption oder Pflegekinder zu glücklicher Elternschaft führen können, nimmt oft sogar etwas von dem Druck raus.

Kinderwunschbehandlungen:

• Hormonelle Stimulation • Insemination mit eigenem oder fremdem Samen • IVF (In-vitro-Fertilisation): Zusammenbringen von Samen und Eizellen in der Petrischale, Einsetzung als Embryonen • ICSI (Intrazytoplasmatische Spermieninjektion): Wie IVF, aber mit zusätzlicher Mikromanipulation • Eizellspende: gespendete Eizellen werden in der Petrischale mit Spermien des Partners befruchtet, Einsetzung als Embryonen

29. Dez 2025

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Gesundheit

Gesund & Aktiv im Alter

### Pilates – tiefenwirksame Praxis Ideal für Best Ager: Das sanfte, gelenkschonende Ganzkörpertraining kann nicht nur mit eingeschränkter Beweglichkeit praktiziert werden, sondern wirkt auch altersbedingten Beschwerden entgegen. In jeder Pilates-Stunde werden neben Muskelkraft, Stabilität und Mobilität auch Koordination und Gleichgewicht trainiert. Die Übungen lassen sich im Sitzen, Stehen oder Liegen durchführen und werden an Fitnesslevel und Leistungsstand angepasst. Es werden dabei gezielt die tiefliegenden Muskeln in Bauch, Rücken und Beckenboden angesprochen – jene Muskulatur, die für Stabilität, Gleichgewicht und Sturzprävention wichtig ist. Regelmäßiges Training sorgt so für erhöhte Beweglichkeit, eine verbesserte Körperhaltung und Balance und kann sogar dauerhaft den Blutdruck senken. Um die richtige Atemtechnik zu erlernen, sollte unbedingt ein Einstiegskurs in dieser Altersgruppe besucht werden. Bei körperlichen Einschränkungen finden sich unter den rund 500 unterschiedlichen Bewegungsmuster immer genügend Ausweichübungen. ![pexels-roodzn-34314432 ONLINE.jpg](https://cwbucket.fra1.digitaloceanspaces.com/pexels_roodzn_34314432_ONLINE_01d8168c42.jpg) ### Schwimmen – schwerelos sporteln Auch diese Sportart kann Senioren uneingeschränkt empfohlen werden – bei konkreten Gelenkschmerzen fallen lediglich einzelne Schwimmstile ins Wasser beziehungsweise sollten durch andere ersetzt werden. Das Besondere: Im Wasser wird das Körpergewicht um ein Vielfaches aufgehoben. Bedingt durch die Schwerelosigkeit werden die Gelenke geschont und die Muskeln sanft trainiert – und zwar alle großen Muskelgruppen. Schwimmen ist quasi ein Allrounder, denn die Aktivität verbessert Kraft, Ausdauer und Beweglichkeit. Regelmäßiges Training stärkt das Herz-Kreislauf-System, regt den Stoffwechsel an und kann sogar die Cholesterinwerte senken. Es kommt sogar noch besser: Das Immunsystem wird gestärkt, Stress abgebaut und die Koordination verbessert. Von den komplexen Bewegungsabläufen profitieren übrigens auch die kognitiven Fähigkeiten: Studien belegen, dass regelmäßiges Schwimmen das Demenzrisiko senken beziehungsweise einen Demenzverlauf positiv beeinflussen kann. Wer mit sämtlichen Schwimmstilen Schwierigkeiten hat, kann es mit Aqua-Fitness versuchen. ![pexels-pavel-danilyuk-6874403 Online.jpg](https://cwbucket.fra1.digitaloceanspaces.com/pexels_pavel_danilyuk_6874403_Online_a2532ecc8e.jpg) ### Nordic Walking – echter Selbstläufer Die gelenkschonende Alternative zum Joggen gehört wahrscheinlich zu den beliebtesten Best Ager-Sportarten. Kein Wunder: Nordic Walking ist einfach umzusetzen, stärkt die Muskulatur, verbessert die Koordination und Körperhaltung und fördert die Herz-Kreislauf-Gesundheit. Durch den Stockeinsatz wird nicht nur der Bewegungsapparat entlastet, sondern zusätzlich Arm-, Schulter- und Rückenmuskulatur trainiert. Das ursprünglich für finnische Skilangläufer entwickelte Sommertraining reguliert den Blutdruck und trainiert die Herzgefäße: Das Herz wird kräftiger durchblutet und mit Sauerstoff versorgt. Darüber hinaus aktiviert regelmäßige Praxis den Hormonhaushalt, stärkt das Immunsystem und beugt Osteoporose und Altersdiabetes vor. Die koordinierte Bewegung festigt die Balance und fördert die koordinativen Fähigkeiten des Gehirns. Darüber hinaus wirkt sich die Bewegung in der freien Natur positiv auf die Psyche aus: Stress kann abgebaut und depressiven Verstimmungen entgegenwirkt werden. Wer nicht allein walkt, hat auch im sozialen Bereich einen echten Lauf. ![pexels-pack2ride-85580365-8934510 ONLINE.jpg](https://cwbucket.fra1.digitaloceanspaces.com/pexels_pack2ride_85580365_8934510_ONLINE_ca5f7bad72.jpg) ### Radfahren – läuft wie geschmiert Für das Fahrrad ist man im Grunde nie zu alt. Bei moderatem Tempo ist die gelenkschonende Aktivität ein optimales Ausdauertraining, welches das Herz-Kreislauf-System auf sanfte Weise in Schwung bringt. Neben Herz und Lunge werden eine Reihe von Muskelgruppen (insbesondere die Beinmuskulatur) gestärkt. Darüber hinaus kräftigt Radfahren das Immunsystem und beeinflusst das vegetative Nervensystem positiv. Es ist zudem eine herrliche Schulung für Koordination und Gleichgewicht: Eine Studie belegt bei aktiven älteren Fahrradfahrenden weniger Stürze im Alltag. Ein weiteres Plus für Best Ager: Biken trainiert die Gehirnleistung und stärkt kognitive Funktionen. Auch die mentale Gesundheit profitiert, denn die Kombination aus Bewegung und Naturerlebnis wirkt stressabbauend und stimmungsaufhellend. Studien betonen zudem eine Stärkung sozialer Kontakte durch den erweiterten Aktivitätsradius, welche sich ebenfalls positiv auf die Psyche auswirkt.