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13. Dez 2024

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Gesundheit

Testamentsspende: Ein bleibendes Erbe

Journalist: Nadine Wagner

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Foto: Debby Hudson/unsplash

Das Schreiben eines Testaments ist für Viele ein eher heikles und unbequemes Thema. Nichtsdestotrotz ist es eine der mächtigsten Möglichkeiten, die Welt nach dem eigenen Ableben weiter zu gestalten.

Lediglich 20 Prozent aller Erwachsenen in Deutschland haben ein aktuelles und gültiges Testament, wie die Ergebnisse einer im August 2022 veröffentlichten Umfrage des Meinungsforschungsinstituts YouGov zeigen. Dabei ist das Verfassen eines Testaments zu Lebzeiten von äußerst großer Wichtigkeit, insbesondere dann, wenn die gesetzliche Erbfolge nicht den Wünschen des Erblassers entspricht. Ohne testamentarische Verfügung haben nämlich weder Lebenspartner, Verwandte und Freunde noch Vereine oder Organisationen Anspruch auf einen Teil des Vermögens.

Mit einem eigenhändig verfassten Testament ist es möglich – unabhängig von der gesetzlichen Erbfolge – einen oder mehrere Erben zu bestimmen, den Nachlass nach eigenem Ermessen aufzuteilen und Ersatzerben zu bestimmen. Zwar können die Pflichtteilsberechtigten (dies sind i. d. R. Ehepartner, Kinder und Enkel) per Definition nicht vollends vom Erbe ausgeschlossen werden, dennoch überlagert ein Testament zunächst die Vorschriften über die gesetzliche Erbfolge. Testamente sind demnach nicht bloß Dokumente, die den Verlauf des Erbes regeln, sondern bieten darüber hinaus die Möglichkeit, Wünsche und Überzeugungen genauestens festzuhalten.

Mittels Testamentsspenden ist es beispielsweise möglich, die eigenen Einstellungen und Werte über den Tod hinaus wirken zu lassen.

Egal ob bei Bildung, Gesundheit, Umwelt- und Tierschutz oder sozialer Gerechtigkeit – es gibt zahlreiche Bereiche, in denen Testamentsspenden langfristig Gutes tun. Dabei können den gemeinnützigen Organisationen, Vereinen, Stiftungen oder karitativen Einrichtungen entweder einzelne Geldsummen oder gar ein gewisser Prozentsatz des Gesamtvermögens „vermacht“ werden. Der Vorteil einer solchen Art an Spende ist, dass gemeinnützige Organisationen anders als Privatpersonen nicht erbschaftssteuerpflichtig sind. Das gespendete Vermögen fließt somit ungeschmälert dem guten Zweck zu. Um rechtsgültig zu sein, muss jedoch darauf geachtet werden, dass das Testament vom ersten bis zum letzten Buchstaben handschriftlich verfasst und unterschrieben ist; bestenfalls sollten auch Ort und Datum nicht fehlen. Es genügt nicht, den letzten Willen mündlich zu äußern oder in digitaler Form niederzulegen. Ein notarielles Testament ist hingegen nicht erforderlich, sofern die formalen Anforderungen erfüllt sind.

Bei vielen Hilfsorganisationen und Stiftungen stehen dem Erblasser diesbezüglich außerdem qualifizierte Ansprechpersonen beratend zur Seite, sodass viele Fragen zum Einsatz der Spende, zur Zweckbindung und zur Abwicklung vorab geklärt werden können. Dass testamentarische Zuwendungen nachhaltig etwas bewirken, zeigt ein Beispiel des DRK in Potsdam. Dort konnte mithilfe einer großzügigen Testamentsspende ein neues Zuhause für Kinder und Jugendliche geschaffen werden, deren Eltern sich nicht kümmern können. Generell werden viele Projekte und Kampagnen von Verbänden und Vereinen ausschließlich durch Spenden finanziert. Eine Liste von seriösen und zertifizierten Organisationen gibt es unter anderem auf der Webseite des Deutschen Zentralinstituts für soziale Fragen (www.dzi.de). Die dort aufgelisteten großen wie auch kleinen NGOs engagieren sich für eine Vielzahl von Themen, etwa für den Schutz der Tropenwälder, die Denkmalpflege in Deutschland, den Tierschutz, die Erforschung seltener Krankheiten uvm.

11. Jun 2026

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Gesundheit

Mehr als Sport: Warum Vereine unverzichtbar sind – Ein Beitrag von Thomas Weikert, Präsident des Deutschen Olympischen Sportbundes

Es gibt Orte, an denen Gesellschaft im Kleinen sichtbar wird. Orte, an denen Menschen zusammenkommen, die sich sonst vielleicht nie begegnet wären – weil sie unterschiedliche Lebenswege haben, verschiedenen Altersgruppen angehören, unterschiedlichen Jobs nachgehen oder aus diversen sozialen Kontexten kommen. Diese Orte gibt es in Deutschland zum Glück fast überall, rund 86.000-mal: Es sind unsere Sportvereine. Denn in Deutschland engagieren sich Millionen von Menschen genau hier. Sie trainieren gemeinsam, halten sich fit, knüpfen Freundschaften, organisieren Wettkämpfe, begleiten Kinder und Jugendliche in ihrer Entwicklung und schaffen Strukturen, die weit über das eigentliche Sporttreiben hinausreichen. Sportvereine sind mehr als Orte der Bewegung, sie sind soziale Räume. Sie fördern Zusammenhalt, vermitteln Werte wie Fairness, Respekt und Verlässlichkeit und stärken damit unsere Gesellschaft. Der Vereinssport ist die größte Bürgerbewegung unseres Landes. Mit mehr als 29 Millionen Mitgliedschaften vereint er mehr Mitglieder als der ADAC, als sämtliche politische Parteien, als die Kirchen und – man mag es kaum glauben – mehr, als es Netflix-Abos in Deutschland gibt. Zum zweiten Mal hintereinander haben die Sportvereine unter dem Dach des Deutschen Olympischen Sportbundes 2025 Rekordwerte gefeiert. >Sport verbindet, er hält gesund und bringt uns zusammen. Aber um das tun zu können, braucht er passende Orte, an denen er sein Potenzial entfalten kann. Diese Orte gibt es 86.000-mal in Deutschland, und wir alle sollten sie stärken, indem wir uns einbringen, wo wir können. Gleichzeitig stehen viele dieser Strukturen unter Druck. Ehrenamtliches Engagement wird immer knapper, Sportvereine werden heute mehr als Dienstleister denn als Gemeinschaftsprojekt gesehen. Hallenzeiten fehlen, Bürokratie führt zu Belastungen und finanzielle Ressourcen sind begrenzt. Sportvereine haben es trotz – oder gerade wegen – ihrer vielen Mitglieder nicht leicht. Wir sehen, dass der Wunsch bei sehr vielen Menschen so groß ist wie nie zuvor, etwas Gutes für ihre Gesundheit zu tun; und dass sie das nicht allein tun wollen im Fitnessstudio, beim Joggen im Park oder auf der Yogamatte bei sich zu Hause, sondern dass sie Gemeinschaft suchen im Sportverein um die Ecke. Für wenig Geld im Monat gibt es hier Sport, der Spaß macht, von Trainer:innen geleitet wird, der die Gesundheit fördert und der Menschen zusammenbringt. Auch in diesem Jahr steuern wir wieder auf einen Mitgliederrekord zu. Das sind gute Nachrichten, aber sie führen dazu, dass die bestehenden Probleme – eine stagnierende Zahl an Ehrenamtlichen muss mehr Menschen betreuen, und das in zunehmend maroden Sportstätten – sich noch stärker zeigen. Der gesellschaftliche Wert von Sport entfaltet sich nicht automatisch. Er entsteht dort, wo Menschen sich einbringen. Ein Sportverein ohne Menschen aus seiner Stadt, seinem Dorf, seiner Nachbarschaft, die sich heute engagieren, macht morgen seine Türen zu. Wer im Verein aktiv ist, trägt dazu bei, dass gemeinschaftliches Sporttreiben überhaupt möglich bleibt. Die Frage ist nicht, ob wir Sport brauchen – diese Frage lässt sich leicht mit „Ja“ beantworten. Die Frage ist, wie viele von uns bereit sind, ihn mitzugestalten und mit Leben zu füllen. Ob als Mitglied, als Ehrenamtlicher oder als jemand, der andere mitzieht: Jeder Beitrag zählt. Sportvereine funktionieren nicht von selbst. Sie funktionieren besonders dort gut, wo sie von vielen unterschiedlichen Menschen getragen werden. Sport verbindet, er hält gesund und bringt uns zusammen. Aber um das tun zu können, braucht er passende Orte, an denen er sein Potenzial entfalten kann. Diese Orte gibt es 86.000-mal in Deutschland, und wir alle sollten sie stärken, indem wir uns einbringen, wo wir können.