Diesen Artikel teilen:

16. Mär 2023

|

Gesundheit

Wohltuende Entstauung

Journalist: Kirsten Schwieger

|

Foto: Nothing Ahead/Pexels

Obwohl Lipödem und Lymphödem zwei unterschiedliche Erkrankungen sind, gibt es bei der Behandlung Überschneidungen.

Geschwollene Beine oder Arme – auf den ersten Blick scheinen Lip- und Lymphödem dieselben Symptome zu haben. Doch während beim Lipödem symmetrische Fettschwellungen an beiden Beinen oder Armen für Schmerzen sorgen, staut sich Lymphflüssigkeit im Gewebe von Armen oder Beinen beim Lymphödem meist nur auf einer Körperseite an – im Anfangsstadium auch schmerzfrei.

Die Ursachen der krankhaften Fettverteilungsstörung Lipödem sind vermutlich genetisch und hormonell bedingt. Nur Frauen erkranken daran, meist im Alter zwischen 20 und 30 Jahren. Rund 3,8 Millionen Frauen sind es offiziell in Deutschland, gut jede zweite davon ist adipös. Allerdings basiert das vermehrte Unterhautfettgewebe nicht auf übermäßiger Gewichtszunahme und lässt sich auch nicht durch Diäten beseitigen. Auch ungefähr 90 Prozent der rund 80.000 Lymphödem-Betroffenen in Deutschland sind Frauen. Beim Großteil von ihnen ist die Gewebeschwellung aufgrund von gestauter Lymphflüssigkeit nicht angeboren, sondern erworben. So wird das sekundäre Lymphödem in der Regel durch Operationen und Bestrahlungen im Rahmen einer Krebsbehandlung verursacht – oder durch den Tumor selbst. Dabei kann die Flüssigkeit aus den Zellzwischenräumen nicht mehr ausreichend über die Lymphbahnen abtransportiert werden und staut sich im Gewebe. Lymph- und Lipödem sind also zwei unterschiedliche Krankheiten, die erst in späten Stadien gemeinsam auftreten können. So kann sich aus einem Lipödem durch die vermehrte Ablagerung von Bindegewebe (Fibrosierung) zusätzlich ein Lymphödem entwickeln. Die Rede ist dann von einem Lipolymphödem.

Obwohl die beiden Krankheiten verschiedene Ursachen haben, gibt es Überschneidungen in der Behandlung. So werden Ödeme klassischerweise mit einer sogenannten Komplexen Physikalischen Entstauungstherapie (KPE) behandelt. Die KPE besteht aus mehreren aufeinander abgestimmten Komponenten. Ein wesentlicher Bestandteil sind physiotherapeutische Maßnahmen wie die manuelle Lymphdrainage (MLD). Durch diese spezielle Art der medizinischen Massage wird der Transport der Lymphflüssigkeit in den Lymphgefäßen durch sanfte Grifftechniken angeregt. Anschließend folgt eine Kompressionsbehandlung des betroffenen Areals mit speziellen komprimierenden Wechselverbänden und Kompressionsstrümpfen oder -bandagen. Die Kompression erleichtert den Abtransport gestauter Gewebeflüssigkeit. Auch entstauungsfördernde Bewegungstherapie ist Bestandteil einer KPE – idealerweise ergänzt durch entstauende Sportarten wie Nordic Walking oder Schwimmen. Eine KPE erstreckt sich über mehrere Wochen – sowohl stationär als auch ambulant. Manche Betroffene begleitet sie ein Leben lang. Ziel der Behandlung ist, die krankhaften Schwellungen und etwaige begleitende Schmerzen zu reduzieren.

Lymphödem-Patienten wird zudem noch eine spezielle Hautpflege mit feuchtigkeitsspendenden Lotionen zuteil, falls erforderlich auch eine Hautsanierung. Übergewichtigen Lipödem-Betroffenen wird zusätzlich eine Gewichtsreduktion empfohlen. Auch operative Verfahren wie Fettabsaugung (Liposuktion) können Bestandteil der Lipödem-Behandlung sein und werden teilweise von den Krankenkassen übernommen.

Hilfreiche Webadressen
www.lipoedemportal.de
www.lymphselbsthilfe.de
www.lymphnetzwerk.de
www.dglymph.de/aktuelles
www.phlebology.de/patienten/
www.dga-gefaessmedizin.de/patienten.html

24. Sep 2026

|

Gesundheit

Es lohnt sich, sich um die eigene Gesundheit zu kümmern – Ein Beitrag von Prof. Dr. med. Kurt Miller, Vorstand Stiftung Männergesundheit

Männer leben im Durchschnitt gut vier Jahre kürzer als Frauen. Ein Junge hat in Deutschland eine Lebenserwartung von 78,8 Jahren, ein Mädchen von 83,4. Aber: Zwischen höchster und niedrigster Einkommensgruppe liegen bei Männern rund zehn Jahre Lebenserwartung, bei der gesunden Lebenserwartung etwa vierzehn. Der Abstand innerhalb der Männer ist damit größer als der zwischen den Geschlechtern und hat sich in den vergangenen zwei Jahrzehnten vergrößert. Beeinflusst wird dieser Abstand durch Rauchen, Alkohol, Bewegungsmangel, Bluthochdruck, verspätete Diagnosen und versäumte Früherkennung. Wer sich kümmert, gewinnt messbar Jahre – vor allem gute. Nur etwa ein Viertel der Männer ab 45 mit Anspruch auf gesetzliche Krebsfrüherkennung nimmt sie wahr. Beim Darmkrebs erkennt die Darmspiegelung Tumoren früh und verhindert durch Polypenentfernung ihre Entstehung. Männer haben Anspruch ab 50, Frauen ab 55 – wegen des höheren Risikos. Jährlich nutzen nur rund zwei bis zweieinhalb Prozent die Vorsorgekoloskopie. Seit Einführung des Programms 2002 sind die Neuerkrankungen bei 50- bis 74-Jährigen deutlich zurückgegangen, bei unter 50-Jährigen ohne Screening dagegen gestiegen. Das Prostatakarzinom ist mit rund 79.600 Neuerkrankungen und etwa 15.000 Todesfällen jährlich die häufigste Krebserkrankung des Mannes. Früh erkannt ist es sehr gut behandelbar, oft heilbar. Heute wird PSA risikoadaptiert bestimmt: Ein erster Wert in den Vierzigern bestimmt die Kontrollabstände; die Magnetresonanztomografie steht bei der weiteren Abklärung vor der Biopsie. Bei niedrigem Risiko ist aktive Überwachung etabliert; Übertherapie ist dadurch seltener als vor zehn Jahren. >Wer sich kümmert, gewinnt messbar Jahre – vor allem gute. Blutdruck, Blutfette, Blutzucker, Bauchumfang, Rauchen, Bewegungsmangel, Schlafmangel sind relevante Risikofaktoren. Erektionsstörungen sind häufig ein frühes Zeichen einer generalisierten Gefäßerkrankung, oft Jahre vor einem kardialen Ereignis. Psychische Gesundheit ist vernachlässigt: Ambulant erhielten zuletzt 12,8 Prozent der Männer und 20,4 Prozent der Frauen eine Depressionsdiagnose. Etwa drei von vier Suizidopfern sind Männer; ihre Suizidrate liegt dreimal höher. Männer sind nicht seltener depressiv, werden aber vermutlich seltener diagnostiziert. Depression ist sehr gut behandelbar, wenn sie diagnostiziert wird. „Longevity“ ist zu einem modernen Schlagwort geworden. Wirklich wichtig sind aber die Jahre in guter körperlicher und geistiger Verfassung. Die Zutaten dafür sind nicht exotisch: ausreichend Bewegung, Schlaf, gesunde Ernährung, Tabakverzicht, bewussten Umgang mit Alkohol und Kontrolle wichtiger Werte. Zuletzt soziale Beziehungen: Stabile Bindungen, Freundschaften und das Gefühl, gebraucht zu werden, zählen zu den robustesten Einflussgrößen auf Gesundheit und Lebenserwartung. Bei Männern verengen sich Netzwerke im Alter: Freundschaften laufen über die Arbeit, das soziale Leben über die Partnerin; mit dem Berufsende kann beides wegfallen. Darum sollte man sich um Beziehungen wie um Blutdruck und Bewegung kümmern. Also: Lassen Sie sich auf Gesundheit ein, es lohnt sich. Nehmen Sie die folgenden Artikel als Motivation.